Gezielt die Muskeln aufbauen – oder wollen Sie Sarkopenie haben?

Sarkopenie? Nie gehört? Ich auch nicht – bis zu einer Pressemitteilung zum Internationalen Tag des älteren Menschen am 1. Oktober 2017. Titel: „Schneller fit nach Hüft-OP„. Untertitel: „Mit Muskelaufbau und vitaminreicher Ernährung optimal vorbereitet“. Zitiert wird Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) und Chefarzt der Orthopädischen Klinik im Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig, u. a. mit folgendem Satz: „Die Sarkopenie muss noch mehr Beachtung erfahren als bisher. Dieser Umstand ist ebenso relevant wie der kontinuierlich fortschreitende Knochenschwund – gerade auch im Hinblick auf die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft.“ 

Golf spielen kann man bis ins hohe Alter.

Golf spielen kann man bis ins hohe Alter.

Ein Blick in Wikipedia hilft: Unter Sarkopenie versteht man den mit fortschreitendem Alter zunehmenden Muskelabbau und die damit einhergehenden funktionellen Einschränkungen des älteren Menschen. Das Wort kommt aus dem Griechischen: sarx = das Fleisch, penia = Mangel. Merken kann ich mir das, weil es fast schon wie Sarg (Sarkophag!) klingt. Was also ist zu tun, um diesen Muskelabbau zu vermeiden? Bewegung und Training natürlich – spätestens ab 50, am besten von Kindesbeinen an.

Ein Spaziergang sollte jeden Tag möglich sein - egal wo.

Ein Spaziergang sollte jeden Tag möglich sein – egal wo.

Ich zitiere hier noch einmal Prof. Dr. Heller, der sich konkret auf die Hüft-OP bezieht: „Narkose, Medikamente und Wundheilung fordern den ganzen Patienten. Ausreichend Muskelmasse und Muskelfunktion sind deshalb gerade bei einem Krankenhausaufenthalt ein wichtiger Faktor für eine rasche Genesung und eine erfolgreiche Rehabilitation.“ Eine zu geringe Muskelmasse beeinträchtige zudem den gesamten Organismus, etwa das Herz-Kreislaufsystem oder den Stoffwechsel. „Wir tun in der der Orthopädie deshalb alles dafür, dass unsere Patienten keine Muskelmasse durch lange Bettlägerigkeit verlieren.“ Während einer Woche Bettruhe könnten sonst ein bis 1,5 Kilogramm Muskelmasse verloren gehen!

Bei der Olivenernte stehe ich ständig schräg - gutes Muskeltraining!

Bei der Olivenernte stehe ich ständig schräg – gutes Muskeltraining!

Im Hinblick auf die Neuauflage unseres Mutmach-Ratgebers „Mut zur neuen Hüfte!!“ beschäftige ich mich gerade wieder mit meiner eigenen Hüft-OP-Geschichte. Damals, 2011, war ich 53 Jahre alt und hatte besonders nach der ersten Hüft-TEP trotz Training vorher und hinterher große Schwierigkeiten, u. a. meine Pomuskeln wieder aufzubauen. Erst nach der zweiten Hüft-OP fünf Monate später ging es wirklich bergauf. Erst dann hatte sich der Körper wieder erholt, fand seine Balance und sprach auf das Training an. Heute gibt es für mich keinen Tag ohne mindestens 10 Minuten Morgengymnastik. Damit es Spaß macht, kommt immer noch etwas dazu: entweder die Smovey-Vibroswing-Ringe oder mein Bellicon-Trampolin oder, wenn wir in Italien sind, mein Morgenwalk die steile Zufahrtstraße hoch.

In der Presseinfo folgt auch gleich das Droh-Szenario, wenn man das nicht macht: Bewegt man sich nicht regelmäßig, sind ab dem 70. Lebensjahr bereits 40 Prozent der Muskelmasse durch physiologischen Abbau verschwunden! Ups. „Bei Schmerzen durch Arthrose und Gelenkverschleiß führen Schonung und Vermeidungsverhalten zu zusätzlichem Muskelabbau und Funktionsverlust“, erläutert Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Präsident der AE.  Recht hat er! Also noch einmal die dringende Empfehlung an alle, die eine Hüft-OP noch vor sich haben: nicht nachlassen, über einen aufgeklärten Orthopäden eine ambulante Reha vor der OP beantragen, um dort gezielt mit Physiotherapeuten und qualifizierten Trainern die Muskulatur aufzubauen.

Mittagspause bei der Olivenernte - mit Pasta und Olivenöl, Burrata und Tomaten. Linsen - und Wein.

Mittagspause bei der Olivenernte – mit Pasta und Olivenöl, Burrata und Tomaten. Linsen – und Wein. Denn nur gesund geht ja auch nicht!

Und wie sehen die Ernährungstipps aus: Empfohlen wird eine abwechslungsreiche, ausgewogene, kalorienarme und nährstoffreiche Ernährung. Sportnahrungsmittel, etwa Proteinpulver, Vitamine und Spurenelemente könnten nach Rücksprache mit dem Hausarzt gegebenenfalls zusätzlich eingenommen werden. Klingt nach Binsenweisheit, ist es aber für viele Menschen nicht! Da wir in unserem Haus in Italien immer viele Freunde und Bekannte zu Gast haben, wundere ich mich schon gar nicht mehr über merkwürdige Gewohnheiten, die gar nicht mehr hinterfragt werden. Da wird auf nüchternen Magen der schwarze Kaffee in sich hineingeschüttet. Ja, geht`s noch? Wir sind alle übersäuert und sollten gerade morgens bitteschön erst einmal mit einem sanften Tee (oder lauwarmem Wasser) anfangen. Da werden Riesenportionen Fleisch eingekauft, um sie auf den Grill zu werfen. Bekanntlich sollen gerade arthrotisch veranlagte Menschen eher fleischarm essen. Und schon gar nicht dazu industriell gefertigte Grillsaucen mit ihren künstlichen Zusatzstoffen! Wie wäre es mal mit einem selbstgemachten Yoghurt-Minze-Dip dazu – mit und ohne Knoblauch? Die Griechen machen es mit ihrem Tsatsiki vor. Gegrilltes Gemüse schmeckt übrigens hervorragend. Und ich spreche jetzt pro domo, wenn ich sage: Frisches, handwerklich produziertes Olivenöl darüber ist das Köstlichste was es gibt!

In diesem Sinne, wünsche ich allen einen bewegten und gesunden Herbst 2017!

 

Über heidirauch

Diplom-Journalistin, Kultur PR-Frau (Schloss Amerang, Golfclub München Eichenried), Buchautorin (Mut zur neuen Hüfte, Mut zum neuen Knie, Oliven - Eine Liebeserklärung an den Süden), Teilzeit-Olivenbäuerin mit Oliven-Import aus den Marken (www.oliopiceno.de), Belleggia-Golfschuh-Vertriebsfrau für Deutschland
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Eine Antwort zu Gezielt die Muskeln aufbauen – oder wollen Sie Sarkopenie haben?

  1. Anja Kelpe schreibt:

    Ein sehr guter Bericht. Das 2. Buch: Mut zur neuen Hüfte werde ich mir nun auch kaufen. Ich wurde im März im HEH / Professor Heller operiert. Hüft Tep rechts. Es geht mir super gut. Dieser Mann ist ein Gott auf seinem Gebiet.
    Ich bin auch 53.
    Es grüßt ganz herzlich
    Anja Kelpe

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