Da liest man ein Buch und stolpert über ein bis dato völlig unbekanntes Wort: Haben Sie schon mal das Verb „mensendiecken“ gehört? Ich zitiere aus „Zebras im Schnee“, dem wunderbaren Roman von Florian Wacker über zwei Frauen im Umfeld des Bauhaus-Ablegers „Neues Frankfurt“ kurz vor der Machtergreifung der Nazis 1933: „Ella macht jeden Morgen Gymnastikübungen, mensendiecken nennen es die Zeitungen nach der Amerikanerin Bess Mensendieck.„
Ich recherchiere und finde eine wunderbare Website über 100 Jahre Frauensport. Darin steht u. a. der Absatz: „In den Vereinen der Weimarer Republik hielten sich über eine Million Frauen per Turnen, Gymnastik und Sport fit. Letzter Schrei war das „Mensendiecken“ – Gymnastikübungen à la Bess Mensendieck brachten die fortschrittliche Frau per Kräftigungs- und Dehnungsübungen in die gewünschte Form. In Zeitschriften, Romanen und Filmen verkörperten Frauen wie Marlene Dietrich das neue androgyne Frauenbild. Hier durfte das „Sport-Girl“ zur jungenhaften Sport-Heldin mit Sex-Appeal avancieren. Sport galt als Schauplatz der Emanzipation, der Sportplatz als wichtiger Heiratsmarkt. Ein Zeitgeist, der allerdings in der Mainstream-Bevölkerung auf heftige Proteste stieß – die guten Sitten und medizinische Einwände mussten als Gegenargumente herhalten, die meisten Sportarten blieben Frauen weiterhin verwehrt.“

Wie schön, dass wir heute jede Art von Sport ohne Sittenwächter ausüben dürfen! Das Mensendiecken ist längst in Vergessenheit geraten. Es wurde abgelöst u. a. von der Aerobic-Welle mit Jane Fonda als Ikone, die übrigens nächstes Jahr 90 Jahre alt wird und immer noch fit ist. Heute heißt das Fitness-Training „Workout“ und zum Ausgleich macht man Yoga. Ich auch – und das mit Begeisterung. Das liegt in meinem Fall maßgeblich an Patricia, Jessica und Gabi. Patricia war meine erste Yoga-Lehrerin im Golfclub München Eichenried, dessen Pressesprecherin ich seit 1999 bin. Während der Corona-Pandemie machte sie online weiter mit Videos auf Facebook. Die sind nun leider verschwunden, weil Patricia Mutter geworden ist und anderen Müttern Coaching-Tipps gibt.
Neue Online-Videos wollte ich mir nicht suchen. Ich machte ein bisschen unmotiviert für mich allein weiter – bis ich Jessica fand! Die junge Italienerin gibt fünf Mal die Woche Yoga-Stunden im „FitUp“-Studio in unserer Zweitheimat, den mittelitalienischen Marken. Zu unterschiedlichen Tageszeiten, was mir gleich sehr gefiel. Hier treffen sich Jung und Alt, Dünn und Dick, tätowierte Beauties und mehr oder weniger fitte Senioren und Seniorinnen wie ich. Neben mir bewegte sich gar eine 84-jährige Deutsche, die seit 20 Jahren in Italien wohnt, äußerst geschmeidig auf ihrer Matte. Wie ich später erfuhr war sie einst Balletttänzerin und Tanzlehrerin. Unerreichbare Gelenkigkeit für mich, aber Ansporn!
Voll motiviert ging ich zum Frühlingsanfang in München in mein „V-itness“-Studio mit V zu Gabi – und siehe da: Sie ist Ü 50 und bietet YogaFlow an, was mir mit vielen Rotationen und Balance-Übungen sehr entspricht. Auch hier gibt es übrigens Männer in den Stunden! Allerdings sind sie in der absoluten Minderheit. In Italien zumindest sorgte ein Quoten-Mann immer für gute Stimmung, weil er erfrischend stöhnte und seine Defizite lustig beklagte. Für mich waren die Yoga-Stunden übrigens auch ein hervorragender Italienisch-Unterricht. „Cane faccia in giù“ heißt „herabschauender Hund“, „quadrupedia“ ist der Vierfüßler-Stand und „gatto-mucca“ ist die schöne Katze-Kuh-Übung, die jede Wirbelsäule mobilisiert.

Meinen Hüften tut Yoga ebenso gut wie das verordnete Krafttraining an den Technogym-Geräten in Italien bzw. bei meinem geliebten E-Gym-Zirkeltraining in München. Dehnen einerseits, kräftigen andererseits. Aktuell ist explosives Training eingestellt: Das heißt bei den E-Gym-Geräten „Explonic“ und ist eine hochintensive Trainingsmethode zur Steigerung von Schnellkraft, Leistung und Muskelaktivierung. Zitat: „Geeignet für Athleten und zur Sturzprophylaxe bei Senioren. Es basiert auf kurzen Intervallen (6 Wiederholungen) mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit, wobei nicht bis zur völligen Ermüdung, sondern leistungsoptimiert trainiert wird.“ Ich bin gespannt, wie sich das Training auf mein Golfspiel in dieser Saison auswirken wird!
Bei den heutigen Hüft-OPs hat sich natürlich auch einiges verändert im Vergleich zu 2011, als ich meine beiden Hüft-TEP`s bekam. 15 Jahre ist das schon her! Gerade heute begegnete mir in unserem Mehrgenerationshaus ein Familienvater Mitte 40, der vor sieben Wochen eine neue Hüfte bekam und eilig die Treppen hochhüpfte zu seinem Sohn, der zu Ostern einen jungen Hund geschenkt bekommen hat. Natürlich wollte er gerade für so ein lebhaftes Wesen schnell wieder fit werden. Wie das ging: minimal-invasive OP in der OCM-Fachklinik München-Solln, danach ambulante Reha – und bereits nach zwei Wochen ohne Gehhilfen unterwegs!
Mein Buch-Mitautor Peter Herrchen und ich werden übrigens demnächst mal wieder gemeinsam auftreten und über neueste Trends in der Endoprothetik informieren: Am Montag, 29. Juni, sind wir um 11 Uhr im Aktiv-Treff im „Haus der Begegnung“ in Erding.
