F wie Fitness ist mühsam und Faulsein, G wie Golfbücher und Ganganalyse

Fitness ist mühsam. Damit sage ich Ihnen sicher nichts Neues. Manchmal lässt die Motivation schon sehr zu wünschen übrig. Deshalb plädiere ich wirklich fürs tägliche Training, das zur absoluten Routine im Tagesablauf werden sollte. Denn hat man sich erst einmal – z. B. am Wochenende – selbst frei gegeben, findet man plötzlich immer mehr Ausreden à la „Heute ist es viel zu warm, da schwitze ich so.“ oder „Heute habe ich Kopfweh, das wird danach sicher noch schlimmer.“ Alles faule, ja genau, faule Ausreden.

In den letzten Tagen hatte ich beide Ausreden parat – und motiviere mich gerade wieder selbst mit der Lektüre zweier E-Books einer Münchner Fotografin, die über ihre Golfleidenschaft geschrieben hat: Dorothee Haering „Yoga meets Golf“ und „Golf meets mind“. In letzterem beschreibt sie, wie sie (vergeblich) versucht hat, mit Hilfe eines Mentaltrainers innerhalb von fünf Jahren zur Single-Handicapperin zu werden. Sehr kurzweilig, schöne Erkenntnisse und Tipps. Das Yoga-Buch ist für Hüft-Patienten viel interessanter, weil es in sehr schönen Fotos zahlreiche Übungen zeigt, die u. a. auch der Hüftbeweglichkeit dienen und die Muskeln in der Leistengegend dehnen. Nicht alles kann und muss man nachmachen, aber die Autorin macht Lust, es doch auch einmal zu probieren mit „Supta Baddha Konasana“, dem Hüftöffner, der auch noch entspannend wirkt. Aber Achtung: Das sollte man nur als fortgeschrittener Hüft-TEP-Träger tun, der schon wieder im Schneidersitz sitzen kann. Ich bin froh, dass das längst wieder geht – auch dank meiner täglichen Dehnübungen. Die Bücher gibt es unter http://www.move-your-game.de

Meine Krücken faul am Adriastrand - man beachte - auf einem Badehandtuch mit Golfmotiv. Glücklicherweise stehen die Krücken inzwischen im Keller.

Meine Krücken faul am Adriastrand – man beachte – auf einem Badehandtuch mit Golfmotiv. Glücklicherweise stehen die Krücken inzwischen im Keller.

Ein weiterer Motivator ist natürlich unser Buch „Mut zur neuen Hüfte!“. Da habe ich erst vor wenigen Tagen von Physiotherapeutin Nicole Gramsl die Physio-Übungen bekommen, die im Buch die Fitness  v o r  der Hüft-OP stärken sollen. Wir nennen das „Die 10 goldenen HOP-HIP-Regeln“, um die hips wieder zum „Hopsen“ zu bringen (Hip-Hop könnte ja sonst eher mit dem Tanz verwechselt werden, den Hüft-TEP-Träger sicher nicht mehr unbedingt tanzen werden). Meine Lieblingsübung, an der ich mir schon die Zähne bzw. die Hüfte „ausgebissen“ habe ist die so genannte „Hüftbeuger-Dehnung“: Einbein-Kniestand, aufrechter Oberkörper; Po und Bauch anspannen. Das Gewicht langsam auf das vordere Bein verlagern und dabei die Hüfte des hinteren Beines nach vorne schieben, der Oberkörper neigt sich leicht weg vom hinteren Bein (das geht auch im Stehen). Mindestens 15-30 Sek. halten, Bein wechseln.

Neun Monate nach meiner zweiten Hüft-OP kann ich das endlich auch auf der linken Seite. Die scheint aber sowieso meine schwächere zu sein, bei der rechten Hüfte gelang das einbeinige Aufstehen aus diesem Einbein-Kniestand viel früher. Nicole Gramsl ist übrigens die Tochter von Josef Schadhauser, dessen „goldene Hände“ so prominente Sportler wie Boris Becker, Franz Beckenbauer oder Franziska van Almsick schätzen. Beide praktizieren in ihrem eigenen Sport- und Rehazentrum Traunmed im oberbayerischen Traunreut bei Traunstein (www.traunmed.de). Dort ist Nicole die Spezialistin für Ganganalyse, der ich mich am Montag unterziehen darf. Ich bin gespannt, wie ich mit meinen beiden TEPs im Vergleich zu Patienten vor der Hüft-OP gehe. Denn gutes Gehen will gelernt sein – vor und nach der OP.

Zum Schluss noch ein Tipp für alle Golfer, die diesen Blog lesen: Im Golfclub München Eichenried gibt es vom 1. bis 5. August 2012 das 5. Eichenried Golffestival mit fünf offenen Turnieren. Da bewegt man seine Hüften garantiert mehrere Stunden. Und wissen Sie um wie viel Grad bei jedem Schwung? Dorothee Haering schreibt`s in ihrem Buch: ca. 30 Grad nach innen und 45 Grad nach außen als Freizeitgolfer bzw. 45 und 60 Grad bei sehr guten Amateurspielern und Profis. Also dann: HOP-HIP! (Anmeldeformular zum Download: www.gc-eichenried.de).

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M wie Mut zur neuen Hüfte!, Mi Shu-Stuhl, Mitpatienten – und Magen statt Lunge

Mit dem ABC bin ich ja nun durch, aber trotzdem möchte ich diesen Blog natürlich nicht beenden. Also werde ich in loser Folge einen Buchstaben rauspicken und dazu etwas schreiben. Ganz uneigennützig fange ich bei M an, denn unser Hüft-OP-Mutmach-Buch „Mut zur neuen Hüfte!“ nimmt Formen an. Mein Mitautor Peter Herrchen (www.endoprothese-und-sport.de) hat sogar schon eine Mini-Homepage für uns angelegt (www.mut-zur-neuen-hüfte.de). Da sieht man als Bild einen Cover-Vorschlag unseres Gestalters Hubert, der mein Mitpatient in der Reha in Bad Heilbrunn war. Die Optik wird sich wahrscheinlich noch ändern, aber auf jeden Fall wollen wir ein positiv wirkendes „sportliches“ Foto auf dem Titel, das schon auf den ersten Blick Mut macht – nicht zuletzt zum Kauf des Buchs! Vorstellen wollen wir unser Buch am 29. September – Peter im hohen Norden in Neustadt an der Ostsee, ich im Süden bei den Gesundheitstagen in Bad Aibling. Hier mache ich übrigens ganz neu die PR für das „13. Internationale Gitarrenfestival Saitensprünge“ im November (www.saitenspruenge.com).

Zuvor wird das Buch als E-Book zu haben sein. Es wird über 200 Seiten umfassen mit vielen nützlichen Tipps und Erfahrungsberichten sportlicher TEP-Träger, die alle wieder ihren Sportarten frönen, nämlich Bergsteigen, Dressurreiten, Golf, Kitesurfen, Laufen, Radfahren, Skifahren, Triathlon etc. Auch Prominente sind dabei. Außerdem haben wir Interviews mit drei renommierten Operateuren geführt. So, jetzt habe ich hoffentlich genügend Interesse geweckt. Wir freuen uns jetzt schon über rege Mundpropaganda für dieses erste Hüft-Buch aus Patientensicht.

Zurück zum Buchstaben M: Hier habe ich beim ersten M-Artikel in diesem Blog den Mi Shu-Bewegungsstuhl vergessen. Es handelt sich um einen hölzernen Design-Stuhl, der in jedes Wohnzimmer passt und ideal ist, um „zentriertes Sitzen“ zu üben. Der Begriff kommt aus dem Japanischen: Mi = Körper, Seele, Selbst; Shu = Zusammenwirken, Zentrierung, Konzentration. Dieser Hocker besteht aus mittels „Gelenken“ miteinander verbundenen,  dreidimensional beweglichen Holzteilen und einem Sitzkissen. Das „Wackeln“ mobilisiert die Muskulatur, kräftigt sie und entspannt den Rücken. Nicht schlecht für Hüft-Patienten. Die Werkstatt in Grafing bei München stellt auch Balancierscheiben her. www.mishu.de.

Das Sitzen auf dem wackligen Mi Shu-Stuhl mobilisiert und kräftigt die Wirbelsäule.

Das Sitzen auf dem wackligen Mi Shu-Stuhl mobilisiert und kräftigt die Wirbelsäule.

Dann hat mir meine Mitpatientin Christine ein Jahr nach ihrer Hüft-OP eine Mut machende Mail geschickt, aus der ich gern hier zitieren möchte: „Ich habe heute mit einem befreundeten Ehepaar eine 60 km lange Radltour gemacht. Quer durch unser schönes Hinterland mit Einkehrschwung  in einer kleinen bewirtschafteten  „Alm“– war traumhaft. Wenn ich mich zurückerinnere, dass ich vor 2 Jahren  froh war, ein paar Km zu fahren und dann nicht mehr vom Radl kam oder beim Aufsteigen das Radl schief halten musste, bin ich heute froh, dass ich die OP machen habe lassen. Mein Moutainbike habe  ich vor der OP meiner Tochter gegeben, da ich mir nicht vorstellen konnte, jemals wieder damit zu fahren. Mein Enkel Sebastian hat  den Leuten  erzählt, dass die Oma „Bauch-Oberschenkel-Schmerzen“ hat (er meinte damit die Schmerzen in der Leiste) und deshalb nicht mehr Radfahren kann. Ich hab es mir nun wieder geholt und ich fahre genauso gut darauf  wie vor Jahren. Die nächste größere Tour wird eine Tagestour  –  von Wolfratshausen durch die Pupplinger Au zur Floßrutsche, entlang am Isarhochufer bis nach München. Landschaftlich ist es eine wunderbare Strecke – aber auch etwas anspruchsvoll. Bis dahin werde ich noch üben.“

Zum Abschluss noch ein dringender Appell, medizinischen Diagnosen mit gesunder Skepsis zu begegnen und selbst zu recherchieren. Dazu zwei Fälle aus meinem Bekanntenkreis. Eine Freundin von mir hatte ständig Bronchitis, Kehlkopf- und Atemprobleme. Als Privatpatientin ging sie zum Lungenspezialisten schlechthin in München. Er verschrieb ihr Cortison. Nach Lektüre des Arztberichts, in dem es hieß, es seien gar keine Auffälligkeiten an ihrer Lunge zu sehen, nahm sie die Tabletten lieber nicht. Vielmehr las sie die Zeitschrift „Freundin“, ja, tatsächlich, und fand darin einen Artikel über „stillen Reflux“ (www.stiller-reflux.de). Das ist nicht etwa das übliche Sodbrennen. Vielmehr bilden sich im Magen durch Übersäuerung Gase, die in die Atemwege steigen. Dagegen gibt es Medikamente und eine basische Diät. Meine Freundin konfrontierte den Spezialisten mit dieser Eigendiagnose, bekam die entsprechenden Medikamente und ist nun beschwerdefrei! Eine Entschuldigung bekam sie natürlich nicht, eher ein Achselzucken.

Der zweite Fall handelt von einem Kreuzbandanriss eines Golf spielenden Journalisten-Kollegen von mir. Natürlich wollte jeder konsultierte Orthopäde das lädierte Knie operieren. Glücklicherweise hörte er von dem seit über 30 Jahren in Hallein, Tirol, praktizierenden Ägypter Mohamed Khalifa, der schon schwierigste Muskel- und Gelenkverletzungen von Sportgrößen wie Boris Becker, Roger Federer und Franziska van Almsick ohne Operation geheilt hat (www.mohamed-khalifa-buch.de). Er regt mit den Händen das Wachstum des Bindegewebes rund um den lädierten Bereich an. Das ist durchaus schmerzhaft, aber wirkungsvoll, sagt mein Kollege. Er jedenfalls fuhr zwei Mal von Regensburg nach Hallein – und ist inzwischen wieder voll beweglich im Knie.

Aber als er mir von seinen zunehmenden Muskelverspannungen im Lendenwirbelbereich erzählte, die bis in den Oberschenkel ziehen, konnte ich ihm einen Tipp geben: Lass` doch mal Deine Hüfte röntgen. Die Behandlung einer ISG-Blockade (Iliosakralgelenk) könnte überflüssig sein…

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X wie X-Ray, Y wie Yoga, Z wie Zeitpunkt, Zehennägel, Zukunft – und Hole-in-one!

Mein alphabetischer Blog ist am Ende angelangt. Die drei letzten Buchstaben des Alphabets fasse ich einfach zusammen und werde dann weiterhin ohne ABC-Reihenfolge berichten, wie es so weitergeht – mit unserem Hüft-OP-Mutmach-Buch und überhaupt.

X-Ray = Röntgen. Die Röntgenaufnahme bringt meistens die endgültige Klarheit: Hüftgelenk kaputt, Knorpel perdu – OP wird angeraten. Nicht sofort natürlich. Denn alle, wirklich alle Hüftschmerz-Patienten, mit denen ich bislang zu tun hatte, erzählen übereinstimmend, dass sie noch gaaaaanz viiiiel versucht haben, um die OP zu vermeiden. Nur zu, kann ich da nur sagen. Habe ich auch gemacht. Man klammert sich an jeden Strohhalm – zur Freude von Physiotherapeuten, Heilpraktikern, Yogalehrern etc.  Nicht, dass diese Therapie-Ansätze schlecht wären, sie helfen nur nichts ab einem bestimmten Stadium der Coxarthrose. Yoga konnte ich persönlich sowieso nie. Sorry, vielleicht war ich da generell zu unbeweglich. Auch wenn ich dank meiner täglichen Gymnastik (auch mit Hüftproblemen) stets relativ gut mit durchgedrückten Knien meine Zehen erreichen konnte und kann.

Apropos Zehen: Schneiden Sich sich vor der OP noch einmal die Zehennägel. Sie werden das sechs Wochen lang auf keinen Fall allein können bzw. dürfen es gar nicht. Manche gönnen sich da eine professionelle Fußpflege. Auch nicht schlecht. Aber es ist trotzdem toll, wenn man all dies nach einer gewissen Zeit wieder selbst machen kann. Alltägliche Verrichtungen sieht man plötzlich aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Der persönliche Blickwinkel entscheidet auch bei den Zauderern über den „richtigen“ Zeitpunkt für die OP. Bei den einen ist es Angst vor dem Eingriff – auch wenn dieser inzwischen längst unter die Routine-OP`s in Deutschland fällt; bei den anderen das „ungute“ Gefühl, so etwas Künstliches wie die Endoprothese eingesetzt zu bekommen; bei den Dritten der Zweifel, ob danach wirklich alles besser wird. Inzwischen kommentiere ich das mit dem beliebten Orthopäden-Satz: Operiert wird nicht das Röntgenbild; man spürt den richtigen Zeitpunkt selbst.  Jeder hat einen anderen „Point of no return“. Als „Endstadium“ gilt meistens der Schmerz auch im Liegen. Da werden die Nächte für so manchen zur Qual. So schlimm war es bei mir nie. Mir hat gereicht, dass ich nicht mehr schmerzfrei laufen – und schwimmen konnte. Ich habe mich ungeheuer auf eine Zukunft gefreut, in der ich wieder alles machen kann, ohne nachzudenken. Eine mittelalterliche Stadt auf einem Hügel mit vielen Stufen – kein Problem! Ein Pool-Wettschwimmen mit den Kindern unserer Freunde – na klar! Eine Golfrunde über 18 Löcher auf dem hügeligen Platz am Monte Conero (www.conerogolfclub.it) und hinterher noch eine entspannte, nicht-humpelnde passeggiata durch Sirolo – perché no?

Der Ort des Geschehens für den Abschlag zu meinem ersten Hole-in-one!

Der Ort des Geschehens für den Abschlag zu meinem ersten Hole-in-one!

Und obwohl es gar nicht zu den Buchstaben XYZ passt: Heute, ein gutes Jahr nach meiner ersten OP und gutes halbes Jahr nach meiner zweiten OP, habe ich mein erstes Hole-in-one gespielt! Zur Info für Nicht-Golfer: Das ist ein absolut seltenes Glück, nämlich mit einem Schlag das Loch treffen, in das der kleine weiße Ball soll. Bei Profi-Turnieren winkt da schon mal ein Auto als Preis. In meinem Fall mussten 24 Jahre vergehen, die ich diesen Sport ausübe, und zwei künstliche Hüftgelenke mussten mir implantiert werden, um das zu erleben! Für Golfer: Es handelt sich um ein leichtes Par 3 mit 88 Metern bergab auf dem hügeligen 9-Loch-Golfplatz I Lauri (www.golfclubilauri.com); ich habe mit einem Eisen 8 abgeschlagen, der Ball traf links einen Hügel neben dem Grün, droppte auf das Grün und rollte von links nach rechts schnurstracks in das Loch! Großer Jubel von drei Italienern oberhalb dieser vierten Spielbahn. „Brava!“, riefen sie, und dann auf englisch: „What is the price?“ Dabei gab der eine Golfer gleich selbst die Antwort: „Happiness!“ Si, felicità! Glück!

In diesem Loch verschwand der Golfball nach nur einem Schlag!

In diesem Loch verschwand der Golfball nach nur einem Schlag!

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W wie Wunder, Walking, Wehwehchen, Wartezeit, Wannenbaden – und Wattn

Für mich ist es ein Wunder der Medizintechnik, für das ich wirklich sehr dankbar bin: das künstliche Hüftgelenk. Wenn ich 100 Jahre früher gelebt hätte, dann würde ich jetzt schon mit knapp 55 Jahren herumhumpeln wie eine alte Frau. So aber kann ich mich wieder problemlos bewegen. Momentan besteht das Bewegen jeden Morgen in einem kräftigen Bergauf-Walk die Zufahrtstraße zu unserem Haus in den italienischen Marken hoch (japs, gut für die Kondition), im unermüdlichen Unkraut-Rausrupfen (inklusive Wurzel – das gibt Armmuskeln!) und im treppauf-treppab-Laufen, wenn wir beim Grillen draußen feststellen, dass doch noch ein Glas, ein Gewürz oder die Tomatenschüssel fehlen. Und dann gibt`s natürlich den Strand-Walk mit Gelato in der Hand. Gerade wird an der Adria alles für den bevorstehenden Ferienbeginn vorbereitet: der Strand wird gesäubert und mit dem Bagger planiert, Areale werden fein säuberlich und nicht ohne entsprechende „strategische Diskussionen“ vor den Strandlokalen abgesteckt, Löcher für die Sonnenschirme in den Sand gebohrt, Liegen aufgestellt. Der Sommer kann kommen! Ein Sommer ohne Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Juchhu!

Unsere italienische Nachbarin braucht auch gerade Krücken: künstliche Hüfte mit 77 und keine dreiwöchige Reha wie bei uns!

Unsere italienische Nachbarin braucht auch gerade Krücken: künstliche Hüfte mit 77 und keine dreiwöchige Reha wie bei uns!

Genau ein Jahr nach der ersten OP (rechte Hüfte) und sieben Monate nach der zweiten OP (linke Hüfte) war ich kurz vor unserer Abfahrt nach Italien wieder einmal bei meinem Operateur Dr. Jürgen Radke in München und habe ihn wegen zwei Wehwehchen befragt: Rechts habe ich ab und an ein Kribbeln entlang der Oberschenkelaußenseite als ob eine Ameisenstraße oder eine elektrische Leitung an meiner Narbe entlang gehen würde. Er machte ein bedenkliches Gesicht, weil das wohl sehr selten vorkommt – und auch bei mir glücklicherweise immer seltener wird. Seine Erklärung: Es könnten Nerven sein, die von der Lendenwirbelsäule ausgehen und immer noch „irritiert“ sind. Das könne bis zu zwei Jahren dauern. Nun denn, wenn`s nichts Schlimmeres ist.

Das zweite Wehwehchen betrifft ein Schnackeln, das ich in der linken Seite spüre, es sogar bei bestimmten Bewegungen ertasten kann. Seine Erklärung: Die Sehne, die über den großen Rollhügel (Trochanter Major) führt, musste bei der OP zur Seite geschoben und eingeritzt werden. Wenn sie nun vernarbt, könnte genau die Narbe über dem Knochen „scheuern“. Nichts Schlimmes, aber irritiert manchmal. Das Gelenk ist`s jedenfalls auf keinen Fall. Nun denn, leben wir halt mit diesen Zipperlein. Sie sind ja geradezu ein Nichts im Vergleich zu meinen Beschwerden vor den OP`s.

Inzwischen habe ich von Golfer-Kollegen gehört, dass die Wartezeit in der Garmischer endogap-Klinik für eine Hüft-OP bis zu 120 Tage beträgt! Allen Münchnern, die diesen Blog lesen, kann ich auch drei Adressen in München empfehlen: Langjährige Erfahrung mit Hüft-Endoprothesen hat außer meinem Operateur, der am Rotkreuzklinikum operiert, die OCM-Klinik (Dr. Dienst und Dr. Hube) und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder (Prof. Dr. Plötz, der auch beide Hüften auf einmal operiert!). Für unser Buch „Mut zur neuen Hüfte!“ sammeln Peter Herrchen (endoprothese.wordpress.com) und ich nämlich gerade mutmachende Erfahrungsberichte von Hüft-Patienten – und da kommen diese Kliniken gut weg.

Zum Buchstaben W habe ich mir auch das Thema Wannenbaden notiert. Es war eine Wohltat, dass ich in meiner ersten Reha in Bad Heilbrunn mit einem speziellen „Behinderten-Lift“ in der Bäder-Abteilung in die Wanne gehoben wurde und dort 15 Minuten in wohligen Düften entspannen konnte. Denn mit einer frisch operierten Hüfte ist das Steigen über den Wannenrand zunächst einmal tabu. Unfall- und Rutschgefahr. Menschen, die zu Hause nur eine Dusche in der Badewanne haben, können sich ein Brett über die Badewanne montieren lassen, auf das man sich setzen kann. All diese praktischen Hilfsmittel und Tipps erfährt man in der Reha. Aufgrund der meist längeren Planungsphase bis zur OP kann man sich das natürlich auch schon vorher alles besorgen.

Christine, Hubert und Hans (v. l. n. r.) beim Wattn in Bad Heilbrunn. Man beachte rechts unser Krücken-Depot.

Christine, Hubert und Hans (v. l. n. r.) beim Wattn in Bad Heilbrunn. Man beachte rechts unser Krücken-Depot.

Noch etwas habe ich in Bad Heilbrunn gelernt: Wattn, ein urbayerisches Kartenspiel, das unsere Abende ungeheuer kurzweilig und lustig gestaltet hat. Meine Mitpatienten Hubert, Hans und Christine haben mir das als Preußin beigebracht – und sich köstlich über meine Grimassen (obligatorisch!) und Fehler (nicht-obligatorisch, aber erheiternd) amüsiert. Danke Euch noch im nachhinein dafür! Inzwischen bin ich wieder zu Bridge und Doppelkopf zurückgekehrt. Ich denke aber heute noch gern an die drei „Kritischen“ Maxi, Belli und Soacher. Denn schließlich hat diese Wattn-Runde auch dazu geführt, dass Hubert (eine neue Hüfte rechts) unser Buch gestaltet. Analog zu Peter Herrchens Triathlon-Projekt der „FiveArtHips“ sind wir also das „FiveHipsBook“-Projekt!

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V wie Verspannungen, verkürzte Muskeln, Vollbelastung, Vertrauen – und Verbene

So wichtig wie die bei vielen möglichen Krankheiten gepredigte – und vielleicht manchmal überflüssige – Vorsorge ist bei Hüft-Patienten die Nachsorge. Ein halbes Jahr nach der 2. Hüft-OP und ein knappes Jahr nach der 1. Hüft-OP habe ich bei meinem Orthopäden meine Titanhüften röntgen lassen – und ein Termin bei meinem Operateur steht auch an. Es ist alles im grünen Bereich, auch wenn es manchmal noch zwickt. Aber wenn man vom Fachmann hört, dass es nur die Sehnen und Muskeln sind, ist man irgendwie doch beruhigter. Da gibt es auch jetzt noch Ver-Spannungen, die gedehnt werden müssen. Immer diese Dehnübungen, denke ich – und mache sie dann brav. Wahrscheinlich macht man in seinem Leben wirklich zu wenig „Stretching“, wie es im Fitness-Jargon heißt. Schließlich sitzen wir meistens und bekommen damit verkürzte Muskeln an unserem Gehapparat.

Mein Personal Trainer hat mich neulich auf die Rolle geschoben, will sagen auf eine Schaumstoffrolle zur Selbstmassage bzw. Beseitigung von Muskelverspannungen. Man rollt darüber auf der Wirbelsäule oder seitlich an den Oberschenkeln und Waden entlang. Da habe ich an einigen Stellen ganz schön geächzt. Und genau an diesen Stellen soll man länger ausharren – ein kleiner Sadist wohnt wohl in jedem Fitness Trainer! Trotzdem überlege ich mir, ob ich mir so ein Ding zulege. Da kann ich es zu Hause ja mal etwas sanfter ausprobieren.

Ein anderes Fitness-Programm war gerade wieder eine Woche lang unser Gasthund. 40 Minuten über die Felder – mit und ohne Nordic Walking-Stöcke – und das durchaus mehrmals am Tag. Schön ist es, dabei nicht mehr vorsichtig sein zu müssen. Kein Schritt tut mehr weh. Und das kann ich jedem Hüft-Arthrose-Patienten sagen: Nach der OP geht es buchstäblich nur noch vorwärts!

Selbstfotografie beim Nordic Walking

Viel diskutiert wird im Zusammenhang mit Hüft-OP`s stets das Thema Vollbelastung,  bzw. der Zeitplan, ab wann man das operierte Gelenk wieder voll belasten kann. Das ist offensichtlich von Operateur zu Operateur verschieden. Prof. Dr. Werner Plötz, Chefarzt der Orthopädie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München, scheint der Schnellste zu sein. Das heißt, er plädiert dafür, dass der Patient „das operierte Bein fast immer nach der Operation schmerzorientiert voll belasten“ darf (s. www.barmherzige-muenchen.de). Tatsächlich hatte ich in meiner Reha in der Fachklinik St. Hubertus in Bad Wiessee einen ca. 40-jährigen Mann, dem Dr. Plötz beide Hüften auf einmal operiert hat, und der nach wenigen Tagen am Tegernsee schon ohne Krücken herumlief! Wir waren alle total verblüfft – und hörten, dass dies in den USA durchaus öfter gemacht wird.

Mein Operateur Dr. Jürgen Radke plädiert dagegen strikt für eine sechswöchige Teilbelastung (www.ortho-m.de). Mein Fazit daraus: Vertrauen ist wichtig. Vertrauen in den Operateur, den man sich nach intensiven Recherchen, auch in Blogs wie diesen, ausgesucht hat. Vernetzung macht es möglich, dass man heute besser informiert ist und damit vorbereitet auf die Zeit vor der OP und nachher.

Zum Abschluss noch etwas Kulinarisches. Ich habe ja schon darüber geschrieben, dass ich mich im Krankenhaus als Vegetarierin angemeldet habe, um möglichst wenig billiges Fleisch mit Soße essen zu müssen. Generell bin ich der Meinung, dass man seinen Fleischkonsum unbedingt einschränken sollte. Wenn man sich nur ein bisschen über Massentierhaltung informiert, wird man unwillkürlich mehr als nachdenklich – und ändert hoffentlich sein Konsumverhalten entsprechend. Noch konsequentere Menschen ernähren sich vegan, wie der 28-jährige Sohn meiner Freundin, die gerade ein Kochbuch über vegane Küche schreibt. Er selbst schreibt einen lesenswerten Blog derlernendeveganer.blogspot.com. Und wem das zuviel des Guten ist, dem empfehle ich zur Entspannung einen viel zu selten getrunkenen Verbenen-Tee. Zitronenverbene lässt sich prima im Garten anpflanzen und dann als Guten-Abend-Tee genießen. In Frankreich heißt er Verveine und wird serviert, wenn die Gäste nach einem langen Essen höflich zum Gehen aufgefordert werden sollen. Charmanter kann man das nicht sagen!

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U wie Ungeduld, Unterarmstützen, Übermut, Untersuchung – und Urlaub

Geduld ist wirklich nicht meine Stärke – weder mit anderen noch mit mir selbst. Aber im Falle meiner beiden Hüft-OP`s habe ich gelernt, dass Ungeduld wirklich gar nichts bringt. Brav bin ich sechs Wochen lang mit meinen Unterarmstützen gegangen, auch wenn andere Mitpatienten schon stolz erzählt haben, dass sie lääääängst ohne gehen. Mein Operateur Dr. Jürgen Radke senior hat das so angeordnet – und daran habe ich mich gehalten. Er hat das mit dem so lange dauernden Heilungsprozess ebenso begründet wie mit dem damit erzielten Langzeiterfolg.  Das Implantat braucht einfach Zeit, sich mit dem Körper zu verbinden – und umgekehrt. Schließlich ist so eine Titanhüfte ein Fremdkörper, der erst einmal von seinem Umfeld akzeptiert werden muss.

Apropos Unterarmstützen, vulgo Krücken genannt. Es empfiehlt sich, diese schon vorher zu besorgen (auch bei Kassenpatienten aufs Rezept), ergonomisch geformte Griffe zu wählen, um die Handflächen zu schonen, und gegebenenfalls schon mal vorher ein bisschen damit zu trainieren. Natürlich packt einen während der Reha ab und zu der Übermut. Auch ich habe im Zimmer mal einige Schritte ohne Krücken probiert, mich aber dabei immer irgendwo abgestützt. Da ist es ganz praktisch, dass die Einzelzimmer meist relativ klein sind – überall ist eine Wand, ein Tisch oder ein Bett als „Zwischen-Haltestation“. Sobald man sich aber unsicher fühlt, sollte man es wieder lassen.

Meine Krücken machen Urlaub am Freihaus Brenner über dem Tegernsee.

Meine Krücken machen Urlaub am Freihaus Brenner über dem Tegernsee.

 

Draußen, also außerhalb der geschützten Reha-Klinik, lauern genügend Unwägbarkeiten und Boden-Unebenheiten, die ich immer als zusätzliche Übungen angesehen habe. Bei Medical Park gibt es z. B. extra Training auf unebenem Untergrund wie Kies beispielsweise. Ich habe meinen Radius draußen täglich erweitert, bis ich mir auch hügeligere Strecken und kurze Waldwege mit Wurzeln zugetraut habe. Wohlgemerkt immer mit Krücken als Stütze und sehr aufmerksam. Gut ist es da sicher, jemanden an seiner Seite zu haben. Aber ein Glücksgefühl ist es auch, wenn man solche kleinen Siege ganz allein erlebt und ein bisschen stolz auf sich ist. Bei solchen Ausflügen sollte man nicht die mögliche Unfallgefahr im Hinterkopf haben, sondern ganz bewusst das Urvertrauen in den eigenen Körper aktivieren. So nach dem Motto „Der kann das schon, das schaffe ich.“

Ähnlich habe ich es mit meinem ersten 9-Loch-Golfspiel nach 12,5 Wochen und mit meinem ersten zweieinhalbstündigen Skiausflug nach 14 Wochen gehandhabt. Manche Menschen meinen, ich sei zu ungeduldig gewesen. Ich behaupte, ich habe genau gespürt, dass das möglich ist. Auch, weil ich diese Sportarten schon 24 bzw. seit 38 Jahren ausübe. Ähnliche Erfahrungsberichte bekommen Peter Herrchen und ich übrigens auch von unseren Blog-Lesern mit TEP: Eine nette Mailschreiberin saß just am vergangenen Sonntag nach 11 Wochen wieder auf ihrer Stute, obwohl Reiten sicher von keinem Operateur so richtig empfohlen wird. Aber sie ist aktive Dressurreiterin und weiß, was sie sich zutrauen kann.  Ein aktiver Jogger fängt auch gerade nach 11 Wochen wieder langsam mit dem Laufen an. Mein Mitpatient Hubert, den ich gerade letzte Woche für unser Mutmach-Buch interviewt habe, ist nach 12 Wochen wieder Mountainbike gefahren. Natürlich erst langsam und vorsichtig, aber mit großem Genuss und ohne Unbehagen. „Das war für mich wie Weihnachten.“, schwärmt er noch heute von diesem Moment. Und Dressurreiterin Cécile spricht begeistert von „Höhenflügen“.

Denn schließlich haben wir uns alle operieren lassen, damit wir wieder „unseren“ Sport ausüben und uns an einem „bewegten Leben“ freuen können. Damit das möglichst lange so bleibt, achten wir vielleicht etwas mehr auf unseren Körper. Übermut wird rasch mal gedämpft, weil es hie und da zwickt. Schließlich müssen sich Muskeln, Sehnen, Bänder und Gewebe auch Wochen „danach“ noch an die neue Bewegungsfreiheit gewöhnen. Aber davon sollte man sich nicht irritieren lassen. Trotzdem ist die Kontrolle vom Facharzt wichtig, auch um sich weiterhin sicher fühlen zu können.

Ich zumindest gehe übermorgen, also knapp ein Jahr nach der ersten OP und ein halbes nach der zweiten, zu meinem Orthopäden zu einer Nachuntersuchung mit Röntgenaufnahme. Ich bin gespannt und werde berichten.

PS: Zum Buchstaben U gehört auch noch Ultraschall. Die so genannte Sonographie wird sowohl in der Klinik als auch in der Reha durchgeführt, um das Gewebe rund um die Narbe nach möglichen Hämatomen zu untersuchen bzw. später, um Thrombose-Anzeichen in den Beinen aufzuspüren. Und U wie Urlaub hat deshalb hier auch seinen Platz, weil die Zeit der Reha für mich wie ein Urlaub war. Schließlich befinden sich die meisten Reha-Kliniken in den schönsten Urlaubsgegenden – vom Tegernsee bis zur Ostsee. So sollte man das auch sehen und nicht mit seinem Schicksal hadern. Wann kommt man schließlich täglich ins Schwimmbad und hat dazu noch Vollpension?

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T wie Titan-Kollegen, Training vor der OP, Toilettensitzerhöhung – und (Golf-)Turnier

Es ist wirklich schön, über diesen Blog so viele Kontakte mit weiteren Titanhüften-Trägern zu bekommen bzw. zu erfahren, wie sehr man damit anderen Menschen Mut macht. Deshalb haben mein Blog-Kollege Peter Herrchen (endoprothese.wordpress.com) und ich auch beschlossen, gemeinsam ein Buch zu schreiben. Arbeitstitel: „Mut zur neuen Hüfte! Ein Hüft-OP-Mutmach-Buch mit zahlreichen Erfahrungsberichten von sportlichen Titanhüften-Trägern“. Letzten Freitag haben wir uns erstmals getroffen, praktischerweise am Ort unserer zweiten Reha, dem schönen Tegernsee. Wer also noch zögert, uns seine Geschichte zu erzählen, der sei hiermit explizit dazu aufgefordert. Wir freuen uns über Mails!

Ein wichtiger Punkt bei allen Hüft-Patienten ist uns das tägliche Training. Ja, wirklich täglich! Nein, keine Ausreden. 20 Minuten am Tag lassen sich finden. Bestimmt. Wenn schon Einschränkungen da sind, dann tun es auch leichte Dehn- und Stoffwechselübungen. Ich habe mir zum Beispiel vor meiner ersten Hüft-OP von meinem Orthopäden (nicht identisch mit meinem Operateur) auf Anraten meiner Physiotherapeutin eine dreiwöchige ambulante Reha verschreiben lassen. Damit sollten die Hüftgelenke mit leichtem Training an Geräten, Physiotherapie, Koordinationstraining in der Gruppe und Bewegungsbad wieder mobilisiert werden, um eine Hüft-OP evtl. noch zu vermeiden. Das hat zwar nicht geklappt, aber meine gesamte Muskulatur war dann doch so gut trainiert, dass ich nach der OP wieder flott auf die Beine kam und auch beim Gehen mit den Krücken keine Probleme hatte. Und leichtes Wippen auf meinem geliebten Mini-Trampolin geht auch immer (www.bellicon.com).

Bereits vor der OP habe ich mir über die Krankenkasse u. a. eine Toilettensitzerhöhung besorgt. Die braucht man, weil man in den ersten Wochen nach der OP das Bein nicht über 90 Grad beugen soll. In der Reha gibt`s die sogar mit Haltegriffen links und rechts. Witziger Nebeneffekt: Als absolute Verfechterin geschlossener Toilettendeckel musste ich es einige Wochen lang „ertragen“, dass der Klodeckel notgedrungen durch das Zusatzteil offen stand. Wie habe ich buchstäblich tief durchgeatmet, als diese Zeit vorbei war…

Turnschuhe zum Reinschlüpfen habe ich mir auch vorher besorgt. Man glaubt gar nicht, wie schwierig es ist, Turnschuhe mit Klettverschluss anstatt mit Schuhbändern zu finden. Denn das Zubinden von Schuhen geht ja wg. der verbotenen Beugung über 90 Grad auch nicht. Die Klettverschlüsse lassen sich mit der Greifzange schließen. Aber noch praktischer fand ich dann doch weiche Slipper ohne alles. Einfach reinschlüpfen und loslegen.

Erste 18-Loch-Golfrunde 29. Februar 2012 Golfclub Pescara, Italien (19. Woche nach 2. Hüft-OP)

Erste 18-Loch-Golfrunde 29. Februar 2012 Golfclub Pescara, Italien (19. Woche nach 2. Hüft-OP)

Am Wochenende habe ich übrigens trotz Aprilwetter mein erstes 18-Loch-Golfturnier gespielt, sechs Monate nach der OP. Die erste private 18-Loch-Runde habe ich ja schon nach der 19. Woche gespielt. Das ging relativ locker. Aber so ein Turnier ist doch etwas anderes: fünf Stunden lang konzentriert bleiben, rund 7 km gehen, 54 Mal bücken (18 Mal aufteen, 18 Mal den Ball vom Grün aufheben und markieren, weil er schmutzig ist oder in der Puttlinie des Mitspielers liegt, 18 Mal aus dem Loch holen), 36 Abschläge (= 18 Probeschwünge, 18 tatsächliche Abschläge), bei Par 5-Löchern 3 Fairway-Schläge (plus Probeschwünge), bei Par 4-Löchern 2 Fairway-Schläge, bei Par 3-Löchern im Glücksfall keiner mehr, 18 Pitchs oder Chips – nun ja, auch Nicht-Golfer können es erahnen: Da kommt schon was an Bewegung zusammen. Und je schlechter man spielt, desto mehr Schläge braucht man…. Bei mir waren es leider viel zu viele, so dass ich hinterher relativ frustriert war.

Fazit: Ich muss noch heftig an meiner Kondition arbeiten und sollte vielleicht auch noch die eine oder andere Trainerstunde buchen. Aber glücklicherweise war ich nicht die Einzige, die nach diesem Saisoneröffnungsscramble gejammert hat. Und die anderen haben nicht ein Jahr lang wg. zwei Hüft-OP`s pausiert.

 

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S wie Shiatsu, Spiraldynamik, Schwimmen, Schuhlöffel – und Sex

S wie Sport hätte ich auch als Überschrift schreiben können. Denn das war mir der wichtigste Beweggrund für meine beiden Hüft-OP`s. Ich wollte wieder schmerzfrei Sport treiben können, vor allem „meinen“ Sport, das Golfspielen. In den vergangenen frühlingshaften Tagen habe ich es ausgiebig genossen, wieder eine spontane Arbeitspause einzulegen – immer nach dem Motto „carpe diem“ – und rasch mal neun Löcher zu gehen. Nach anderthalb Stunden Bewegung an der frischen Luft geht das Schreiben noch einmal so flott von der Hand. Für meinen Schreibtisch-Beruf ist der Bewegungsausgleich enorm wichtig. Das macht den Kopf frei, bringt neue Ideen und macht ein gutes Gewissen bei meinen obligatorischen Süßigkeiten-Sünden. Denn das tägliche Stück Kuchen – gern „Hüft-Gold“ genannt – soll schon sein.

Um meinen Bewegungsdrang auch mit Hüft-Schmerzen ausleben zu können, habe ich mich vor meiner Hüft-OP regelmäßig in die Hände einer Shiatsu-Therapeutin begeben. Angelika Stempel in Erding war jahrelang meine wichtigste Gesundheitsbegleiterin: Als gelernte Heilpraktikerin hat sie mich mit Globuli versorgt, wenn sie gespürt hat, was mir gerade fehlte, und anschließend hat sie in wohltuender Stille auf der Bodenmatte meine Blockaden gelöst. Shiatsu kommt aus Japan und heißt wörtlich übersetzt Fingerdruck. Es handelt sich um eine Art Massage-Akupressur, um die Lebensenergie, das  Chi, wieder in den Meridianen fließen zu lassen. Partien des Körpers werden gedehnt, Gelenke sanft rotiert. Danach fühlt man sich wie schwebend.

Leider hat dieser Zustand immer kürzer angehalten, so dass ich mir weitere Hilfe gesucht habe: Spiraldynamik war und ist eine Methode, bei der es um die aufrechte Haltung, das aufrechte Gehen in Balance geht. Ähnlich wie bei der Alexandertherapie kümmert sich der Therapeut, in meinem Fall Physiotherapeut Dr. Jens Wippert in München, darum, meinem Körper zu vermitteln, wie er sich anatomisch richtig bewegen sollte. Die dreidimensional angelegten Übungen appellieren dabei an das eigene Körpergefühl, die eigene Körperintelligenz.

Sonnenbaden auf dieser geschwungenen "Seniorliege" geht erst wieder, wenn die Krücken eingemottet sind.

Sonnenbaden auf dieser geschwungenen "Seniorliege" geht erst wieder, wenn die Krücken eingemottet sind.

Aber irgendwann verhallte jeder Appell. Ich wurde immer verzweifelter, dass mein Körper auf gar nichts mehr richtig ansprach. Als ich schließlich im warmen Thermalwasser nicht einmal mehr schmerzfrei schwimmen konnte, riss mein Geduldsfaden endgültig. Das konnte doch nicht sein, dass ich keine Brustschwimm-Bewegungen mehr machen konnte, ohne dass mir ein stechender Schmerz in die Leistengegend schoss. Das war der Punkt, an dem ich meine erste Hüft-OP in die Wege leitete.

Vor der OP habe ich mich mit allen wichtigen Dingen versorgt, die ein Hüftpatient so braucht. Über einige, wie das Seitenschläferkissen, die Bett- und Klo-Erhöhung, die ergonomischen Gehstützen etc. habe ich schon geschrieben. Ein wichtiges Utensil, das mir heute noch gute Dienste leistet, ist ein langer Schuhlöffel. Denn das Bücken ist ja erst einmal strikt verboten. Es gibt edle und teure Modelle von Manufactum, günstige und stabile im Sportgeschäft, aber auch durchaus praktikable Plastik-Schuhlöffel von Ikea. Beim Schuhlöffel-Kauf gleich an die hüftfreundlichen Schuhe denken: stabile Sandalen zum Hineinschlüpfen, Slipper oder Turnschuhe mit Klettverschluss statt Schnürsenkeln gehören zur Grundausstattung. Mit all diesen praktischen Verrichtungen habe mich auch seelisch auf den Zustand eingestellt, der mich erwartete: Einschränkung und Verlust meiner Selbstbestimmung.

Alles wird der operierten Hüfte untergeordnet. Aber wenn man das pragmatisch angeht, ist es nur halb so schlimm. Ebenso unvermeidlich: der Verzicht auf Sex für knapp sechs Wochen. Einer meiner Mitpatienten in Bad Heilbrunn fuhr am zweiten Wochenende in der Reha nach Hause und erzählte ganz freudig, dass Sex problemlos möglich war. Ja klar, als Mann schon. Als Frau dauert die Enthaltsamkeit etwas länger. Schließlich müssen wir doch eine erhebliche Spreizbewegung ausführen. Schon vor der OP war Sex nur noch relativ vorsichtig möglich. Daher ahnte ich schon, dass eine funktionierende Hüfte hier zu einem quasi verjüngenden Lustschub führen könnte. Aber bei den ersten Versuchen, sollte man sich buchstäblich vorsichtig herantasten an die neu gewonnenen Möglichkeiten…

Und zum Schluss mal wieder etwas Poetisches: Vor meiner zweiten Hüft-OP schenkte mir meine beste Freundin den Literarischen Kalender 2012 von dtv. Das Motto steht vorn auf dem gelben Stoff-Einband: Eine Gedichtzeile von Friedrich Nietzsche (!) aus seinem Italien-Gedicht „Im Süden“. Da ich mich gerade wieder im Süden befinde hier zwei Strophen daraus: „Das weiße Meer liegt eingeschlafen,/und purpurn steht ein Segel drauf./ Fels, Feigenbäume, Turm und Hafen,/ Idylle rings, Geblök von Schafen, -/ Unschuld des Südens, nimm mich auf! // Nur Schritt für Schritt – das ist kein Leben,/ Stets Bein vor Bein macht deutsch und schwer./ Ich hieß den Wind mich aufwärts heben,/ Ich lernte mit den Vögeln schweben, -/Nach Süden flog ich über`s Meer.“ Schön, nicht?

 

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R wie Reha, Rückenschlafen, Rolfing – und Radfahren

Den Reha-Ort für die ca. drei Wochen nach der Hüft-OP kann man sich weitgehend selbst aussuchen, sofern man sich mit den Vertragskliniken des jeweiligen Kostenträgers anfreunden kann. In meinem Fall war die Rentenkasse zuständig, da ich ja in meinen „jungen“ Jahren noch wieder arbeitsfähig werden sollte. Nach der ersten OP war ich im Juni 2011 in Bad Heilbrunn, nach der zweiten OP im November 2011 in Bad Wiessee am Tegernsee. In beiden Monaten hatte ich unverschämtes Glück mit dem Wetter, so dass ich viel draußen spazieren gehen konnte. Und gerade das Gehen mit Krücken an frischer Luft halte ich für einen wesentlichen Faktor in der Reha: Je größer der Radius wird, desto mehr entfernt man sich vom Kranken-Umfeld, hat wieder Kontakt mit dem normalen Leben – und zieht daraus positive Energie. Natürlich trifft man auch in den umliegenden Cafés immer wieder Mit-Patienten (oder Klinik-Angestellte), aber das sind meist die fröhlich gestimmten, die sich nicht hängen lassen und diejenigen, die mal etwas anderes essen wollen als die Klinikkost.

Das Umfeld in der Reha ist ungeheuer wichtig für die Psyche. Natürlich kann man es sich nicht aussuchen, mit wem man am Tisch sitzt. Aber bei der Auswahl der Reha-Einrichtung sollte man darauf achten, dass die Orthopädie der Schwerpunkt ist. Reha-Kliniken mit vielen psychosomatischen Fällen, Schlaganfällen etc. sind unter Umständen zusätzlich belastend. Im nachhinein würde ich auch jedem raten, vorher zu fragen, wie flexibel man den Therapieplan handhabt. Ich jedenfalls war ganz glücklich, als ich in der Hubertus Klinik am Tegernsee so oft und lange in die Medizinische Trainingstherapie (MTT) gehen durfte wie ich wollte. In Bad Heilbrunn war das strikt auf eine halbe Stunde pro Tag begrenzt, und nur dank der Intervention meiner Physiotherapeutin bekam ich eine Stunde zugestanden. Mit Krücken, Brustbeutel, Desinfektionstuch etc. „bewaffnet“ schafft man aber in einer halben Stunde kaum mehr als drei bis vier Geräte. Schließlich hüpft man nicht gerade wieselflink herum.

Während man im Krankenhaus ca. 12 Tage lang strikt auf dem Rücken schlafen muss und das operierte Bein relativ unbeweglich in der Schiene lagert, darf man in der Reha schon langsam andere Liegevarianten testen. Mein bester Kuschelfreund wurde jeweils ein 1,20 Meter langes Seitenschläferkissen, das man zwischen die Beine klemmt und dann quasi als Abstandshalter auf der Seite liegend zwischen den Knien hat, um die gefürchtete Überdrehung zu vermeiden. Das Rückenschlafen ist für viele Menschen ein großes Problem – nicht nur weil sie unweigerlich schnarchen und ihre Mit-Patienten in Zweibettzimmern um die Nachtruhe bringen. Sondern auch weil sie Rückenschmerzen bekommen. Da kann ich nur gebetsmühlenartig mein Mantra wiederholen: Trainieren Sie vorher alle Muskeln, also auch die Rücken- und Bauchmuskeln, um möglichst wenig von Wirbelsäulen- und/oder Bandscheiben-Beschwerden geplagt zu werden.

Das Thema Rolfing habe ich schon beim Buchstaben F wie Faszien behandelt. Bitte einfach meinen alten Beitrag dazu lesen oder den Link anclicken. Ich bin eine große Verfechterin dieser in die Tiefe des Gewebes gehenden Therapie und finde es schade, dass sie so wenig bekannt ist.

Tja, und das Radfahren. Wunderbar. Hüft-Patienten sind auf dem Rad quasi zu Hause – vor der OP auf jeden Fall, denn da ist es meist die einzige Fortbewegungsmethode, die noch schmerzfrei geht. Männer fahren da natürlich Damenräder mit niedrigem Einstieg. Nach der OP scheiden sich die Geister: In meiner ersten Reha durfte ich erst ganz zum Schluss auf das Indoor-Rad (therapeutisch: Ergometer) steigen, weil man hier die Luxationsgefahr beim Auf- und Absteigen sah. Unsinn, hieß es bei der zweiten Reha: Man steige seitlich vorsichtig auf, ohne das operierte Bein zu belasten oder gar zu schwingen, und dann werden die Pedale einfach auf kürzeres Treten eingestellt und die Watt-Zahl, d. h. der Widerstand, wird eher niedrig gehalten bzw. sukzessive gesteigert.

Gut gelaunter Hüft-Patient mit Ukulele im November (!) im Klinikgarten von St. Hubertus am Tegernsee.

Gut gelaunter Hüft-Patient mit Ukulele im November (!) im Klinikgarten von St. Hubertus am Tegernsee.

Nach der Entlassung in freier Wildbahn sieht es dann wieder anders aus: Gefahren lauern am Wegesrand in Form von Ampeln, an denen man halten und wieder antreten muss, in Form von bodenwelligen Hindernissen oder gar unaufmerksamen Dritten, die einen zu Fall bringen. So geschehen einem Ukulele spielenden Mitpatienten, der tatsächlich einen komplizierten Bruch des unlängst operierten Beins davon getragen hatte. Ich veröffentliche an dieser Stelle sein Foto (ja, es war November!), da mich sein ungebrochener Wille zur Genesung und seine positive Ausstrahlung so fasziniert haben. Falls er diesen Blog liest, würde ich mich freuen zu hören, wie es ihm geht… Allen anderen Lesern sei in puncto Outdoor-Radfahren noch gesagt: erst draußen radeln, wenn die Muskeln alle Erschütterungen abfedern können. Und so lange nur ein Fünkchen Angst im Kopf mitfährt, lieber noch ein paar Tage länger warten. Die Radl-Saison hat ja gerade erst begonnen!

 

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Q wie Quantensprung, Quarkwickel, Qi Gong – und schwarze Pisten plus Eistipps

Quantensprung knapp fünf Monate nach meiner zweiten Hüft-OP: Ich bin am 6. März in Cortina d`Ampezzo, im 3.000 Meter hohen Skigebiet Tofana, eine schwarze Piste, die Forcella (= Scharte) Rossa (= rot, ist aber eine schwarze Piste), heruntergefahren! Oben steht ein Schild „Per esperti“ (für Experten) und ich hätte unseren netten Führer Alex, 28, ermorden können, als ich am steilen Abhang stand. Gnädigerweise zog just in dem Moment eine uns einhüllende weiße Wolke rund um den Gipfel, so dass ich weitere ungnädige Beschimpfungen angesichts der Null-Sicht nur noch in mich hineinmurmelte und mich einfach ins Nichts stürzte. Natürlich nicht direkt. Ich fuhr einfach Schwung für Schwung in die Nebelwand und verließ mich auf mein Gespür. Schließlich fahre ich schon knapp vier Jahrzehnte Ski. Unten angekommen verzog sich die Wolke und wir realisierten, was wir da gerade bewältigt hatten. Übrigens gibt`s in Cortina die noch steilere „Schuss“-Piste mit 67 (!) Prozent Gefälle. Die war aber gerade gesperrt….

Dolomiten-Pracht am Falzarego-Pass - und viele schwarze Pisten rund um Cortina d`Ampezzo

Dolomiten-Pracht am Falzarego-Pass - und viele schwarze Pisten rund um Cortina d`Ampezzo

Kleiner kulinarischer Tipp am Rande: Unser Skiguide Alex Luisotto, hauptberuflich im Tourismusbüro von Cortina für „Spezialprojekte“ zuständig, stammt aus einer Gelatieri-Dynastie aus Cadore, unweit von Cortina. Seine Eltern haben die Eisdiele Crema-Gelato in Gröbenzell bei München (Augsburger Str. 2), sein Onkel und seine Tante führen das „Edelweiss“ in Bonn-Bad Godesberg (Koblenzer Str. 80). Natürlich ist das Eis selbst gemacht mit kreativen Sorten wie Käsekuchen- oder Holunder-Eis. Und im Sommer hilft auch der blonde Alex ab und an beim Eis-Beglücken.  Ach ja, Quark-Eis gibt es vielleicht auch, womit wir wieder beim Buchstaben Q angelangt sind.

Quarkwickel nämlich konnte man sich in meiner ersten Reha in Bad Heilbrunn täglich abholen. Geschützt durch eine Plastikfolie legte man sich den aus der Kühlkammer kommenden Quark ca. 20 Minuten auf die OP-Narbe und spürte direkt die wohltuende Wirkung. Tatsächlich ist der Quarkwickel ein altes, entzündungshemmendes Hausmittel.

Ebenso wohltuend, aber eher von innen heraus: Qi Gong. Diese Übungen sind „Meditation in Bewegung und Stille“, wie es Wolfgang Schmidtkunz auf seiner Homepage schreibt (www.qigong-schmidtkunz.de). Bei ihm habe ich die sanften Übungen vor Jahren bereits kennen gelernt, und zwar in der Abtei Frauenwörth auf der Puppenstuben-Fraueninsel im Chiemsee. Man wohnt mehr oder weniger spartanisch in mehr oder weniger renovierten Klosterzellen, genießt die ayurvedische Küche von Inder Niki und – außerhalb der Touristensaison – die Idylle des rasch umrundeten Inselchens. Wobei „rasch“ hier natürlich völlig falsch ist. Man möge in Innenschau spazieren gehen und auch sonst entschleunigen.

Wolfgang Schmidtkunz bei einer Qi Gong-Übung auf der Chiemsee-Fraueninsel

Wolfgang Schmidtkunz bei einer Qi Gong-Übung auf der Chiemsee-Fraueninsel

Aber Achtung: Ab und an bietet Wolfgang auch reine Schweigeseminare mit Qi Gong an. Mir ist es doch glatt passiert, dass ich drei Freundinnen von mir auf die Fraueninsel gelockt habe mit der Aussicht, ein nettes Plausch-Wochenende mit Qi Gong-Übungsstunden dazwischen zu verbringen. Als der Seminarleiter nach dem freitäglichen Abendessen dann meinte, wir sollten mal langsam aufhören zu sprechen und unsere Handys bis zum Sonntag ausstellen, blieb uns glatt das Wort im Halse stecken. Angesichts unserer entsetzten Blicke stellte er es uns frei, die Insel wieder zu verlassen und zu einem späteren Zeitpunkt zu einem anderen Seminar wiederzukommen. Aber da hatte uns schon der Ehrgeiz gepackt. Tatsächlich schafften wir Klatschbasen es, ca. 42 Stunden kein Wort zu sprechen, uns auch nicht mit Blicken zu verständigen, sondern uns ganz auf uns zu konzentrieren. Klar, dass wir heute noch ausführlich damit prahlen, wie toll das damals war… War es aber wirklich!

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