F wie Freude und Frust, Füße und Feldenkrais

Es gibt ja immer wieder Frust-Tage nach einer Hüft-OP. Die sind vor allem meiner Ungeduld geschuldet. Warum geht es nicht schneller voran? Warum gehe ich noch immer nicht völlig rund? Warum ist immer noch dieses Spannungsgefühl in meinem operierten Oberschenkel?

Aber die Freuden-Tage überwiegen eigentlich. 20 Minuten oder mehr Fahrrad- bzw. Ergometer-Fahren sind kein Problem, sogar stehend auf den Pedalen, um die Pomuskeln noch mehr zu trainieren. Das ist allerdings brutal anstrengend und Schweiß treibend. Gestern kam die Tanzfreude hinzu: Wir waren in der Olympiahalle zum Konzert von LaBrassBanda (www.labrassbanda.com). Wer die bayerische Blechbläser-Superstimmungsband noch nicht kennt, der hat was versäumt. 10.000 Menschen tanzten und folgten Rampensau Stefan Dettl, der sich mit seinen Musikern einen Energie-Marthon-Orden verdient hat: 2,5 Stunden am Stück Vollgas – welche Band kann das von ihren Live-Auftritten behaupten?

Zuerst dachte ich an leichtes Pomuskel-Training auf meinem Sitz mit wippendem Oberkörper und leichtem Kopfnicken. Aber schon nach zwei Nummern folgten wir dem Schnellsprech-Sänger und hüpften vor unseren Sitzen herum. Also nutzte ich die Gelegenheit, um das linke operierte Bein immer mal wieder mehr zu belasten, ordentlich im Becken zu wippen, in die Kniehocke zu gehen etc. Gymnastik-Tanz at its best! Und gute Laune garantiert. Also wer noch kein Weihnachtsgeschenk hat: Die CD`s der stets barfuß und in Lederhosen auftretenden LaBrassBanda-Profi-Musiker heißen „Habediehre“ oder „Übersee“ – daher, nämlich aus dem gleichnamigen Ort am Chiemsee, stammen sie nämlich.

These feet are made for walking - or dancing...

These feet are made for walking - or dancing...

Freude auch, dass ich meine Füße wieder erreiche! Ja, man weiß das erst zu schätzen, wenn man sich fünf Wochen lang die Fußnägel nicht selbst schneiden, die Füße nicht mit Bodylotion einbalsamieren konnte und immer nur Slipper getragen hat. Schwangere fühlen sich ähnlich, wie ich hörte. Aber das ist nun vorbei: Rechtzeitig zum bevorstehenden Winter kann ich wieder Schnürschuhe problemlos binden und komme auch bei der Gymnastik fast wieder an meine Füße (mit durchgestreckten Knieen wohlgemerkt). Überhaupt vernachlässigen wir unsere Füße viel zu sehr. Dabei tragen sie unser ganzes Gewicht. Deshalb wurde im Rahmen der Gangschule in der Reha auch immer darauf geachtet, dass wir ordentlich abrollen, also mit der Ferse zuerst aufsetzen, dann mit dem Außenballen und dann erst mit dem Vorderfuß.

Zum Buchstaben F gehört auch Feldenkrais. Eine Körpertherapie nach Moshe Feldenkrais (1904-1984) – deshalb mit a, hat nichts mit dem Kreis zu tun (www.feldenkrais.de). Hier lernt man – in der Gruppe oder in Einzelsitzungen – einzelne Körperpartien bewusst wahrzunehmen und damit „alteingesessene“ Bewegungsmuster zu ändern. Es ist eine sehr ruhige, angenehme und völlig schmerzfreie Form der Selbsterziehung, die besonders Musikern (! – Achtung, Stefan Dettl, falls Deine Luftsprünge mal in der Wirbelsäule ankommen!), Tänzern und Sportlern hilft, aber eben auch nach Unfällen oder OP`s hilfreich ist.

Weitere F-Wörter (ja, ja, ich weiß schon…) wie Fünf Tibeter oder Fahrradfahren (im Frühjahr wieder im Freien) habe ich schon in früheren Blog-Beiträgen behandelt. Das Thema Faden oder Klammern sei nur kurz angerissen: Meine beiden OP-Schnitte sind genäht worden mit sich selbst auflösenden Fäden. Das gibt angeblich eine schönere Narbe als das Klammern. Kann ich, ehrlich gesagt, nicht wirklich beurteilen. Komischerweise ist nämlich meine rechte Narbe, also „die alte“, deutlicher zu sehen weil roter als meine linke, „die neue“, die schon eher ein weißer Strich geworden ist.

Zum Abschluss noch ein anderer musikalischer Freuden-Tipp, quasi das krasse Gegenteil zum aufputschenden Brass-Sound der bayerischen Blechbläser: Kate Bush und ihr neues Album „50 words for snow“. Wunderbar einfühlsam-ruhige und lange Piano-Stücke mit skurillen Einfällen rund um die Schneeflocken. Die Titel gebenden 50 Wörter für Schnee spricht Stephen Fry, das Stück „Snowflake“ singt Kates Sohn Albert, und ein Liebesduett mit Elton John gibt`s auch noch. Unbedingt zu Weihnachten bestellen über www.amazon.de.

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E wie Entlastung, Ergometer und Essen

Genau heute vor sechs Wochen war meine zweite Hüft-OP – und nun darf ich auch hochoffiziell zur Vollbelastung übergehen. In der letzten Woche habe ich mich da schon hingetastet, aber ich merke schon, dass ich die operierte Hüfte immer noch eher entlaste, etwa vor dem Spiegel oder beim Duschen mehr auf der rechten Seite stehe. Also nun Schluss mit der Entlastung, habe ich zu meiner linken Seite gesagt. Ja, man sollte auch mal mit seiner Endoprothese sprechen. Schließlich muss sie sich an den neuen Besitzer gewöhnen…. Keine Angst, jetzt wird`s nicht esoterisch, sondern ganz praktisch.

Rund drei Mal pro Woche steht Training auf dem Ergometer auf meinem Fitness-Plan. Allerdings nicht mit irgendeinem Ergometer, das verschämt in einer muffigen Kellerecke steht. Sondern mit einem formschönen, einem Fahrrad ähnlichen Trainingsgerät, das dekorativ bei uns das Wohnzimmer schmückt. Ja, wirklich. Denn es handelt sich um eines von unserem Freund und Produktdesigner Anton Rief entworfenes Stil-Fit-Ergometer. Und wie der Name schon sagt: Es hat Stil und macht fit (www.stil-fit.com). Für ca. 5,5 Kilometer reicht meine Energie. Dazu brauche ich 15 Minuten auf Level 5, d. h. bei rund 70 RPM. Langsam werde ich das steigern, um wieder mehr Kondition zu haben.

Anton Rief auf seinem Stil-Fit-Ergometer

Anton Rief auf seinem Stil-Fit-Ergometer

Denn erstmals habe ich am sonnigen Sonntag eine halbe Stunde Nordic Walking probiert – und danach war ich platt! Muskelkater in der linken Pobacke und verschwitzt. Und dann noch der Satz von meinem lieben Mann: „Mit dem Hund bin ich schneller gegangen.“ Der Hund wohlgemerkt ist ein Gasthund, den wir ab und an hüten, der arthritisch und schon nicht mehr der Jüngste ist… Nun gut. Das wird schon wieder, denke ich mir. Aber Geduld war noch nie meine Stärke. Es wäre einfach nett, wenn wieder alles wie von selbst funktionieren könnte. Stattdessen ist mühsames Muskelaufbau-Training angesagt. Allerdings habe ich mir bei meiner Physiotherapeutin dann mal zur Abwechslung eine Massage, Moorpackung und Fango geben lassen.

Apropos Energie: Meine Eisenspeicher sind noch bis zum 9. Dezember aufgefüllt. Am 21. Oktober habe ich nämlich eine 500 ml-Eiseninfusion im Krankenhaus bekommen, da mein Hämoglobin-Wert nach der OP so abgesackt war. Mal schauen, ob ich danach über die Ernährung entsprechend für Nachschub sorgen muss. Allerdings kann man mit dem Essen nur täglich 10 ml Eisen aufnehmen (deshalb reichen 500 ml für 50 Tage). Also spare ich mir momentan alle roten Rotkäppchen-Säfte, die ich allerdings als Morgensaft angereichert mit einer Messerspitze Vitamin C-Pulver sehr lecker finde (danke an dieser Stelle für die gesunden Mitbringsel im Krankenhaus und in der Reha!). Damit habe ich bislang – toi, toi, toi – Erkältungen mehrheitlich vermieden.

Das Thema Essen war in der Reha ein relativ beherrschendes. Ich bin da absolut wählerisch und esse nicht einfach, „weil`s der Hunger reintreibt“. Einen Kaiserschmarrn, der deutlich aus Fertigpulver zusammengemischt war und nie ein Ei gesehen hat, habe ich nach einer Gabel einfach zurückgehen lassen. No go! Dann gab`s eben abends nur einen Apfel aus unserem Erdinger Garten. Und evtl. noch den einen oder anderen Lebkuchen dazu… Auf jeden Fall habe ich mich schon im Krankenhaus als Vegetarierin angemeldet und auch in der Reha Fleisch vermieden. Wohl gemerkt, ich esse Fleisch. Allerdings nur solches, dessen Herkunft ich kenne. Einkaufen bei Aldi gibt es bei mir nicht. Schon allein, weil ich die Schnäppchen-Geiz ist geil-Mentalität nicht unterstützen will. Essen darf und soll nicht billig, sondern gut sein – drei Ausrufezeichen!!! Lieber weniger als schlecht.

Am Tegernsee gibt es wundervolle Fische – Saiblinge, Renken und Hechte -, die es neben der St. Hubertus-Klinik im Fischbrut-Haus als Mini-Ausgabe und im Aquadome-Aquarium als ausgewachsene Exemplare zu bewundern gibt (direkt an der Schiffsanlegestelle Abwinkl). Das beste Essen in der Reha-Klinik waren Hechtklöße und Saiblingsfilet! Und an dieser Stelle herzlichen Dank an das freundliche Aquadome-Bistro-Team für den leckeren selbstgebackenen Kuchen. Das waren meine liebsten Spaziergänge am Nachmittag.

Herrliche Einkehr an der Anlegestelle Abwinkl: Aquadome

Herrliche Einkehr an der Anlegestelle Abwinkl: Aquadome

Und wenn ich Lust auf Fleisch hatte, fuhr ich mit meinem lieben Mann zum Wildessen – herrlich im Forsthaus Valepp (www.forsthaus-valepp.de) und im Alten Bad in Wildbad Kreuth (www.altesbad.de).

Aber weil wir ja beim Buchstaben E sind: Ich freue mich auch schon wieder aufs Entenessen am 4. Advent bei Freunden. Da vergleichen wir immer Flug- und Landente. Sehr interessant – und lecker natürlich. Und bis dahin will ich auf jeden Fall so gehen können, dass mir niemand mehr eine Hüft-OP anmerkt. Das sollte ja in 20 Tagen locker zu schaffen sein. Der Countdown läuft.

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D wie dahoam, Dehnübungen und Drainage

Ich bin wieder „dahoam“, d. h. auf Hochdeutsch „daheim“ bzw. zu Hause. Wunderbares Gefühl der Freiheit! Endlich ist man als Krückengeherin in der Minderzahl, im Supermarkt und auf der Straße. Obwohl – Phänomen der selektiven Wahrnehmung: Es laufen mehr Menschen mit Krücken herum als man denkt. Unfälle? Hüft-OP`s? Oder doch eher Knie? Sprunggelenke?

Eben in der Praxis meines Operateurs sind mir natürlich wieder etwas mehr Krückengeher über den Weg gelaufen und Menschen, die sich zu einer OP angemeldet haben. Bin ich froh, dass ich das hinter mir habe. Es könnte ja bisher der Eindruck entstanden sein, als sei so eine Hüft-OP ein Spaziergang. Keineswegs. Auch jetzt ächze ich noch bei meinen täglichen Dehn- und Muskelkräftigungsübungen. Fünf Wochen nach der OP ist noch nicht alles wie vorher. Aber Dr. Radke hat mich beruhigt: Ich habe einen 36er Kopf implantiert bekommen und der sei noch nie luxiert. Will sagen: Ich kann problemlos wieder alles machen, werde ab Ende Februar/Anfang März wieder Ski fahren und ab März/April wieder normal Golf spielen können.  Was für wundervolle Aussichten!

Bis dahin heißt es trainieren. Die Reha-Klinik hat mir Kräftigungsübungen mitgegeben und meine Physiotherapeutin zeigt mir auch immer wieder, wie ich z. B. meinen musculus piriformis, meine Po-Muskel, stärken kann, der so wesentlich für die Streckung  und damit am eleganten Abrollen beim Gehen beteiligt ist. Noch ist aber mein Gewebe innerlich damit beschäftigt, sich zu regenerieren und sich neu zu justieren. Rund um die drei Drainage-Löcher, aus denen das Blut und Wundsekret nach der OP abgeleitet wurde, fühlt sich der Oberschenkel durchaus noch gespannt an. Auch rund um die Narbe bin ich noch druckempfindlich, d. h. an schlafen auf dieser Seite ist nicht zu denken. Lieber nehme ich eine halbe Bauchlage ein, um den direkten Druck auf der Seite zu vermeiden. Mein Schnitt ist ja eher gerade genau an der Außenseite, dort wo etwa die Jeans-Naht verläuft. Der Schnitt der so genannten Garmisch-Hüften geht schräger zum Po. Diese TEP-Träger haben sicher andere Probleme.

Sportfex und Mitpatient Hubert beim Muskelaufbau-Training.

Sportfex und Mitpatient Hubert beim Muskelaufbau-Training.

Problemlos von Anfang an geht das Sitzen. Das Keilkissen steht längst gut verpackt im Keller. Aber ich merke, dass ich nach einiger Zeit am PC besser aufstehen sollte, um mich zwischendurch zu „entfalten“, sprich zu dehnen. Wir im Sitzen Tätigen haben ja allgemein sowieso das Problem verkürzter Oberschenkel-Muskeln. Also heißt es: Positionswechsel. Mal zwischendurch einen Tee kochen (Flüssigkeitshaushalt!), einen Lebkuchen schnappen (Energieschub), aufs Clo gehen, ein Telefonat im Stehen führen etc. Dann stützt man sich auf die Stuhl- oder Tischkante und stellt das operierte Bein nach hinten bis die Wade spannt – Spannung halten, wieder locker lassen. Das beidhändige Abstützen geht natürlich auch prima an jeder Wand. Dieses Stretching wirkt Wunder.

Apropos Wunder: Ich schwöre seit 1993 (!) auf die Fünf Tibeter. Das kleine blaue Bestseller-Büchlein von Peter Kelder, das damals für mich eine Erleuchtung war, gibt es immer noch zu kaufen. Natürlich findet man die Übungen auch online, etwa unter www.fuenf-tibeter.org. Jeden Morgen mache ich diese fünf verjüngenden (! ja!) Übungen auf der Matte zu entspannender Musik und bin überzeugt davon, dass ich meine Beweglichkeit dadurch um Jahre so verbessert habe, dass ich die Hüft-OP`s tatsächlich hinauszögern konnte. Auch kenne ich keine Rückenschmerzen und habe meinen Tennisarm damit kuriert. Das Geheimnis hier heißt für alle Geplagten: Stärkung der peripheren Muskeln statt Stoßwellen-Therapie oder sonstiger wirkungsloser Verfahren. Will sagen: Handgelenks- und Schultermuskeln stärken durch gezielte Übungen, etwa Liegestützen oder den vierten und fünften Tibeter, damit diese Muskeln den Zug vom dazwischen liegenden Ellenbogen nehmen.  Weitere Hilfen: Computer-Maus links bedienen, Automatik-Auto fahren! Letzteres ist übrigens auch ein großer Vorteil bei einer Hüft-OP links, denn zum Gasgeben und Bremsen braucht man hier ja nur das rechte Bein. Wieder ein Stück Freiheit zurückgewonnen!

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C wie Carving Golf, Chinesische Medizin und Chirurg

Meine Reha neigt sich dem Ende zu und ich freue mich total auf meine Freiheit. Erfahrungsgemäß bringt der Alltag jeden Tag neue Fortschritte. Man freut sich, wenn man Treppen immer müheloser hoch und runter gehen kann, immer länger am Schreibtisch sitzen kann, ohne sich hinterher mühevoll „entfalten“ zu müssen – und wenn man  spätestens nach sechs Wochen wieder in der Lage ist, sich selbstständig Schuhbänder zuzubinden.

Abschied von der Tegernsee-Reha

Abschied von der Tegernsee-Reha

Nächste Woche, fünf Wochen nach der OP, bin ich bei meinem Operateur zur Nachuntersuchung. Und dann geht es mit dem Freibrief „Die TEP sitzt bombenfest, alles prima.“ wieder zügig ins Normalleben zurück. Ich erinnere mich noch, wie ich beim letzten Mal ganz selig mit nur einer Krücke am Münchner Rotkreuzplatz entlang gelaufen bin. Keine Angst, ich weiß, dass das Laufen mit einer Krücke eigentlich nicht gewünscht ist – wg. Schiefstand, Wirbelsäulenschädigung etc. Aber zum Abgewöhnen der Gehhilfen ist es meines Erachtens sehr hilfreich – und von meinem Orthopäden für eine Übergangszeit sogar empfohlen.

Empfehlen möchte ich an dieser Stelle eine Narben-Creme, die aus der Chinesischen Medizin kommt. Sie heißt APM-Creme und wurde mir von meiner Erdinger Shiatsu-Therapeutin Angelika Stempel empfohlen. Schön einmassieren – dann wird die Narbe bald ein weißer Strich. Übrigens habe ich eine neue Seite in den Blog eingefügt mit Links. Damit man alles, was ich hier so erwähne, auch auf einen Blick findet.

Apropos Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Auch das habe ich natürlich im Vorfeld meiner beiden Hüft-OP`s ausprobiert, also Akupunktur, grässlich schmeckende Planzenmischungen, so genannte Dekokte, trinken, Tuina, d. h. Druckpunktmassage. Aber alles hat nicht geholfen. Irgendwann hat mir mein Münchner Heilpraktiker Holger Möller gesagt: „Sie müssen den Tatsachen ins Auge sehen, hier hat die Naturheilkunde ihre Grenzen.“ Und die Tatsachen trugen den Namen Hüft-OP.

Im Vorfeld dieser immer weniger zu leugnenden Tatsachen habe ich auch angefangen, meinen seit 23 Jahren ausgeübten Golfschwung umzustellen. Im Rahmen meiner Ambulanten Reha in Erding, die ich gemacht habe, um die Hüft-OP vielleicht doch noch ein bisschen rauszuschieben, bin ich auf Carving Golf gestoßen. Physiotherapeutin Christa hat das im Rahmen einer Fortbildung kennengelernt und mir von ihren zügigen Anfänger-Erfolgen berichtet. Daraufhin habe ich als PR-Frau des Golfclubs München Eichenried (www.gc-eichenried.de) recherchiert und bin auf den Carving Golf-Erfinder Jürgen Bechler gestoßen. Im Eichenrieder „Fairway Magazin 2011“ habe ich diese hüftschonende, auf der Pendeldynamik basierende Technik vorgestellt und seit Sommer 2011 wird sie von Pro Barry Rixom in Eichenried gelehrt. Das Ganze ähnelt einem halben Schwung, der tatsächlich die übermäßige Hüft-Rotation vermeidet. Im nächsten Frühjahr, wenn ich wieder „runderneuert“ Golf spielen darf, werde ich weiter an diesem Schwung arbeiten.

Jetzt aber freue ich mich auf „Irena„, das ist das Aufbau-Training mit 24 Terminen, das man von der Deutschen Rentenkasse genehmigt bekommt. Ich werde also zwei Mal pro Woche an die Geräte im Ambulanten Reha-Zentrum in Erding gehen und bei den Hüftgruppen mitmachen. Zusätzlich lasse ich mir natürlich Physiotherapie-Termine bei meiner Erdinger Manualtherapeutin Birgit Ferber-Busse verschreiben.

An diesem ersten „Freiheits“-Wochenende gehe ich aber erst einmal ins Kino: „Zwei an einem Tag“ mit Anne Hathaway. Den gleichnamigen Roman von David Nicholls habe ich verschlungen. Und das Sitzen im Kino sollte bei den bequemen Sitzen im Erdinger Cineplex auch kein Problem sein.

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B wie breit wickeln, Brust-Beutel und Balance

Eigentlich wollte ich schon etwas über C wie Carving Golf schreiben. Aber der Buchstabe muss noch warten. Zuviel ist mir noch zum Buchstaben B eingefallen – vorzugsweise beim Radeln auf dem Ergometer mit den verstellbaren Pedalen. Denn Sie erinnern sich: Hüft-Patienten dürfen wochenlang den 90-Grad-Winkel nicht überschreiten, radeln also mit reduzierter Beugung.

Ein weiteres Mantra in der Reha ist die Beinachse, d. h. vom Fuß über das Knie bis zur Hüfte muss man quasi eine gerade Linie ziehen können, sonst geht man schief. Das tut man auch, wenn eine Beinlängen-Differenz festgestellt wird. Leider passiert das bei einer OP häufiger als man denkt. Nicht so bei erfahrenen Operateuren. Deshalb habe ich mich in die Hände von Dr. Jürgen Radke begeben, der in seinem langen Leben angeblich schon 15.000 Hüften operiert haben soll.

Das Gefühl, die Beine seien unterschiedlich lang, hat man auch, weil nach der OP natürlich das Bindegewebe in Mitleidenschaft gezogen ist. Will heißen, rund um die Operationsnarbe ist möglicherweise noch eine Schwellung vorhanden – wenn nicht nach außen sichtbar, dann arbeitet es aber doch innen. Alles muss wieder heilen und sich zusammenfinden. Die in ihrer Ruhe gestörten Rezeptoren müssen neues Gefühl entwickeln. Nach und nach entspannt sich das operierte Bein und es entwickelt sich – sobald man die Schonhaltung aufgibt –  wieder ein schön gleichmäßiges Gangbild. Viel verschmähte Bequemschuhe, die ja inzwischen auch deutlich hübscher geworden sind (z. B. Schuhe von Think!), helfen ungemein. Auch wenn man sich als Frau schon mal wieder auf die Zeit der Absatzschuhe freut…

Noch ist daran aber nicht zu denken. Mit meiner 20 kg-Teilbelastung gehe ich weiterhin mit zwei Krücken und habe deshalb ein Transportproblem. Alle wichtigen Dinge wie Schlüssel, Taschentuch, Handy und Geld müssen in Manteltaschen verstaut werden, wenn man rausgeht. Drinnen ist dafür ein sehr dekorativer Brust-Beutel zuständig. Mit diesem Jute-Beutel, der natürlich mit dem Schriftzug der jeweiligen Reha-Klinik versehen ist, läuft man zu den verschiedenen Anwendungen im Haus. Gefüllt ist er mit einem Therapietuch, dem Therapieplan und dem Patientenbuch – oder auch mit einem nicht zu schweren Taschenbuch zum Lesen, falls man mal warten muss. Für die Trainingsgeräte hat man eine Chipkarte, die an einem immerhin recht dekorativen Schlüsselanhänger-Band vor dem Bauch baumelt.

Während man in der Reha so vor sich hin trainiert, hört man immer wieder interessante Gesprächsfetzen, die sich – natürlich – um das jeweilige Leiden drehen. Jüngere Hüftpatienten, die von Ahnungslosen nach dem Warum gefragt werden, haben inzwischen längst eine Antwort parat: „Man hat versäumt, mich als Baby breit zu wickeln.“ Damit outet sich der Patient als in den 50er, 60er, evtl. noch 70er Jahren Geborener, denn jedes später auf die Welt gekommene Neugeborene wird gleich mittels Sonographie (Ultraschall) auf eine mögliche Hüftdysplasie untersucht. Pech gehabt, kann man da nur sagen. So erhält der Spruch von der Gnade der späten Geburt eine ganz andere Konnotation.

Noch ein Wort zum Thema Balance – physische und psychische. Es empfiehlt sich, schon vor der OP die Balance zu trainieren, indem man zum Beispiel öfter mal auf einem Bein steht und – Steigerung des Ganzen – dies mit geschlossenen Augen tut. Verblüffend, wie sehr man da ins Wanken gerät. Unser Sehsinn hilft nämlich ungemein. Neulich mussten wir im Bewegungsbad mit geschlossenen Augen auf die andere Seite gehen. Man glaubt es nicht, wie schief wir alle durch das Becken getaumelt sind. Erklärung des Therapeuten: Unser Kleinhirn hat noch die Schonhaltung abgespeichert und zieht uns auf die „starke“ Seite. Wunderbar die Balance üben kann man übirgens mit einem Mini-Trampolin. Ich empfehle das Bellicon (www.bellicon.de). Das ist an elastischen Gummiseilen aufgehängt und man wippt eher rhythmisch als das man springt. Mit Musik macht das viel Spaß – und ist viel effektiver als das ohnehin noch eine Weile verbotene Jogging.

Spaß führt auch zur inneren Balance. Davon bin ich fest überzeugt. Eine positive, dem Leben freundlich entgegen tretende Einstellung hilft ungemein bei jeder Heilung. Ich jedenfalls habe meine künstlichen Hüften einfach angenommen. Es ist mein persönlicher Defekt, der dank moderner medizinischer Möglichkeiten nun behoben ist. Manche Dinge übernehme ich übrigens auch nach der Reha-Zeit. So zum Beispiel die praktische Betterhöhung. Sieht zwar etwas „seniorig“ aus, ist aber ungemein bequem.

Betterhöhung mit Holzklötzen von Obi

Betterhöhung mit Holzklötzen von Obi

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Belastung, Bioswing und Bridge

Meine Reha am schönen Tegernsee hat mich so beansprucht, dass ich erst jetzt wieder zu einem neuen Beitrag komme. Ganz liebe Besucher haben mir die Tage auch zusätzlich verkürzt. Auf diesem Weg herzlichen Dank! Allerdings tue ich dank des anhaltenden sonnigen Wetters hier sogar ein gutes Werk: Endlich kommen die Menschen aus der Nebelsuppe in München, Erding und anderswo in die wärmende Sonne. Am Wochenende des traditionellen Leonhardiritts in Kreuth am 6. November haben wir tatsächlich bei über 20 Grad im Freien zu Mittag gegessen. Wunderschönes Oberbayern, kann ich da nur sagen. Auch wenn der Föhn mir manchmal Kopfweh beschert, freue ich mich jeden Tag über den blitzblauen Himmel und die Postkarten-Idylle hier.

Über diesen Catwalk musst Du gehen...

Über diesen Catwalk musst Du gehen...

Bei einem derart herrlichen Wetter macht die Bewegung in frischer Luft natürlich noch mehr Spaß. Auch wenn meine so genannte Teilbelastung von 20 kg mich weiterhin zwingt, mit den Krücken im so genannten Dreipunktgang zu gehen. Man hört das schon in den Gängen von weitem: eins = Krücken vor, zwei = operiertes Bein vor und auf den Krücken abstützen, drei = gesundes Bein belasten. Manche, meist ältere Krücken klacken dann auch noch im Takt. Den relativ flüssigen Ablauf lernt man ja bereits im Krankenhaus, auch das Treppensteigen bzw. -abwärtsgehen. Was wichtig ist bei den Reha-Behandlungen, ist sicher die Gangschule. Ein guter Physiotherapeut – und davon hat Medical Park tatsächlich etliche – lässt den Patienten auf jeden Fall mal Catwalk-Laufen. Denn rasch schleichen sich Bequemlichkeiten ein, Vermeidung von notwendigen Dehn-Bewegungen, Beckenverwindungen etc.

Regelmäßiges Bauchmuskeltraining ist da ein unbedingtes Muss – vor der Hüft-OP, im Krankenbett und hinterher, d. h. eigentlich immer. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass sich viele Bandscheibenvorfälle mit guten Bauchmuskeln vermeiden ließen. Denn wie rasch schädigt man den Rücken bei Fehl- und Schonhaltungen. Erzählt mir doch heute ein sehr sportlicher, um einige Jahre jüngerer Mitpatient beim Ergometer-Training, dass er sich erst zur Hüft-OP entschlossen konnte, als er einen Bandscheibenvorfall hatte. Wahnsinn! Auch er, aktiver Bergsteiger, Skifahrer etc., hat die OP so lange hinausgezögert, bis es nicht mehr anders ging. Warum, kann er eigentlich auch nicht genau erklären. Man denkt halt immer, es geht ja noch…. Nein, tut es nicht!

Das Zauberwort hier in der Reha ist die segmentale Stabilisation, d. h. der Bauchnabel wird nach innen gezogen und die Spannung wird gehalten, um den gesamten Muskelbereich rund um das Becken zu kräftigen. Bei der Beckenbodengymnastik wird das ähnlich praktiziert, auch beim Atemtraining. Bei Pilates-Übungen ist der Fachbegriff dafür das Power House, in der chinesischen Medizinwelt das Chi in der Mitte. Tatsächlich kann man die Bauchmuskeln unmerklich fast überall trainieren. Beim ausgiebigen Sitzen am Schreibtisch empfehle ich übrigens dringend die ergonomischen Bürostühle von Haider Bioswing (www.bioswing.de). Die schwingen mit den eigenen Muskelbewegungen leise mit, so dass man nie statisch sitzt und sich verkrampft. Sie sind also eher ein Trainingsgerät. Von Haider stammen übrigens auch die Posturomed-Wackelplattformen, die in jeder guten Reha-Einrichtung stehen. Hier trainiert man die Stabilität. Auch als Trainingsgerät beim Golfen werden sie eingesetzt, u. a. in meinem Golfclub München Eichenried (http://www.gc-eichenrie.de).

Zum Schluss des Buchstaben B möchte ich hier noch eine Lanze für Bridge brechen. Ich lerne dieses anspruchsvolle Kartenspiel seit ca. zwei Jahren und finde dieses Anti-Aging-Programm wundervoll! Von einem versierten Schachspieler ist mir bestätigt worden, dass Bridge tatsächlich noch abwechslungsreicher und herausfordernder sei als Schach. Ich glaube ihm, auch wenn ich Schach nicht beherrsche. Bridge ist wie das Lernen einer fremden Sprache. Aber wenn man sie beherrscht, lernt man viele nette Menschen kennen und kann überall auf der Welt spielen. Und allen Zweiflern sei gesagt: Bridge ist nicht nur etwas für Seniorinnen! Allerdings für Hüftkranke ideal – natürlich nur bis man Bridge und Golf wieder kombinieren kann. Und genau das werde ich 2012 runderneuert tun!

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B wie Bewegung und Bücken

Heute ist meine OP genau zwei Wochen her und mit meinen Gehhilfen, vulgo Krücken, bin ich schon wunderbar beweglich. Seit vier Tagen bin ich in der Reha und freue mich an der Bewegung. Das herbstliche Sommerhoch am Tegernsee tut ein Übriges – Spaziergänge im St. Hubertus-Park, am Seeufer und in der Umgebung sind nahezu ein Muss. Überall verfärben sich die Bäume bunt, darüber ein strahlend blauer Himmel – und in München hängt der Nebel. Aber ich will hier ja niemanden neidisch machen…

Der Tegernsee lockt auch Spaziergänger mit Krücken.

Ja, auch Spaziergänger mit Krücken können am Tegernsee entlang spazieren.

Natürlich gibt es noch Bewegungseinschränkungen, keine Frage. Das wichtigste Credo nach einer Hüft-OP ist der 90 Grad-Winkel. Der darf bei keiner Beugung überschritten werden. Es droht Luxation, d. h. Auskugelung des künstlichen Gelenks. Also heißt es, Slipper anziehen, denn Schuhbänder zubinden ist nicht. Sportschuhe mit Klettverschluss sind auch in Ordnung, sofern man geschickt genug ist, den Klettverschluss mit Hilfe der Krücke zu schließen. Oder den Klettverschluss vorher rüberziehen und dann den Schuh mit Hilfe eines langen Schuhlöffels anziehen. Gute Reha-Kliniken haben solche Schuhlöffel auf dem Zimmer. Wer sicher gehen will, kauft einen vorher im normalen Schuhgeschäft. Die können auch hinterher ganz nützlich sein.

Bei meiner letzten Reha im warmen Juni 2011 in Bad Heilbrunn hatte ich das Glück, dass ich immer barfuß in den Schuhen gehen konnte. Aber dafür sind selbst die mittäglichen 16 Grad hier in Bad Wiessee nun doch zu frisch. Leider geht Strümpfe anziehen ohne Hilfsmittel nicht. Auf Rezept bekommt man deshalb einen Strumpf-Anzieher – ein Plastikteil mit zwei langen Bändern an der Seite. Man ziehe den Strumpf über das biegsame Plastik, schlüpf hinein und ziehe das Teil mit den Bändern nach oben. Simsalabim – der Strumpf zieht sich hoch und sitzt prima am Fuß. Ganz Geschickte machen das auch mit einem langen Handtuch oder einer zerschnittenen Stoff-Einkaufstüte mit langen Henkeln.

Weitere Hilfsmittel, die der zu starken Beugung entgegen wirken, sind eine Toilettensitz-Erhöhung (gibt`s auch auf Rezept und in der Reha als Grundausstattung für Hüft-Patienten) und ein Keilkissen (sollte man sich vorher besorgen, liegen in der Reha aber auch überall herum). Je fitter man ist, desto weniger braucht man das. Aber es schadet nicht, das operierte Bein immer wieder zu strecken und auch beim Hinsetzen auf normale Bänke oder Stühle darauf zu achten, das Bein zu strecken, ebenso beim Aufstehen. Man hat es recht bald im Gefühl, was einem gut tut und was nicht. Stretchübungen bekommt man ja schon im Krankenhaus gezeigt. Die sollte man immer mal wieder einlegen. Das Bein dankt es einem.

Noch etwas zum Thema Bücken. Als „Hüfte“ bekommt man auch eine Greifzange als Hilfsmittel angeboten. Denn unerklärlicherweise fallen einem plötzlich ganz viele Dinge auf den Boden. Aber man lernt auch, dass man das operierte Bein nach hinten strecken kann, um sich zu bücken. Das sieht in etwa so aus wie der eingesprungene Doppel-Axel beim Eiskunstlaufen. Aber auf diese Weise braucht man nicht noch so ein Hilfsmittel und fühlt sich etwas weniger behindert. Sollten allerdings nette Mitmenschen in der Nähe sein, empfiehlt es sich, diese um Hilfe zu bitten. Da wundert man sich dann, wie unelegant und steif sich so mancher bückt…

Ein tolle Erfindung – auch für Schnarcher übrigens! – ist ein Seitenschläfer-Kissen. Im Krankenhaus muss man ja stets auf dem Rücken schlafen und hat das operierte Bein in einer Plastikschiene, damit man die Beine nicht plötzlich nachts überschlägt. Allerdings sagte mir eine Physiotherapeutin, dass in den 20 Jahren ihrer Tätigkeit noch nie eine Luxation im Schlaf stattgefunden habe. Dazu wirken im Bett zu geringe Hebelkräfte. So ein Seitenschläfer-Kissen ist ein 1,20 Meter langer Schlauch (zu bestellen u. a. bei amazon), den man sich zwischen die Beine klemmt. Somit ist der Abstand der beiden Beine gewahrt, und man kann den ächzenden Rücken endlich in der bewährten Embryo-Schlafhaltung wieder entlasten.

Zum Buchstaben B gehört auch noch das Bewegungsbad. Das ist eine Wohltat für Hüft-Patienten, die sie genießen dürfen sobald die Fäden bzw. Klammern entfernt worden sind. Endlich fühlt man sich leicht und beweglich, denn Wasser trägt ja bekanntlich. Schwimmen darf man da natürlich noch nicht, schließlich ist die Spreizbewegung tabu – ja richtig: wg. Luxations-Gefahr. Aber Wassertreten vorwärts und rückwärts geht spielend, mit Pool-Noodle und Pool-Brett – und mit viel Spaß. Nur am Beckenrand muss man aufpassen mit den Krücken – Rutschgefahr. Und die nassen Zehen muss man sich geschickt mit Hilfe des gesunden Fußes abtrocknen. Aber das kennt man ja schon vom Duschen – auch das eine Wohltat nach fast zwei Wochen „Katzenwäsche“ im Krankenhaus. Ein Bademantel gehört deshalb zur Grundausstattung in der Reha und auch ein Badeanzug. Ich habe einen mit Beinansatz. Die sind eine absolute Rarität geworden. Dabei verdecken sie wunderbar die Narbe. Mein Kontakt dazu ist der Onlineshop von http://www.steiner-schwimmsport.de.

So, jetzt bewege ich mich ins Bett – natürlich mit den Krücken, nachdem ich den Strumpf am operierten Bein mit Hilfe der Zehen des gesunden Beins ausgezogen habe. Das Seitenschläfer-Kissen nehme ich noch ein bisschen als Nackenstütze zum Lesen. Und da muss ich noch einen Lesetipp loswerden: „Josefibichl“ von Marc Ritter, ein köstlicher Regionalkrimi aus Garmisch-Partenkirchen. Sein Erstling – und absolut gelungen!

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A wie Angst und Atmen

Meine zweite Hüft-OP ist eine Woche vorbei und ich fühle mich jeden Tag fitter. Erst war der Hämoglobin-Wert zu niedrig (HB-Wert vor der OP 12,9, am „schlimmsten“ Tag 8,3). Jetzt hat er sich dank Eisen-Infusion und guter Konstitution wieder auf 9,8 hochgeschraubt. Ich bin stolz auf meinen an sich gesunden Körper. Fremdblut hätte ich mir ungern geben lassen. Deshalb sei hier allen gesagt, die sich eine Hüft-OP überlegen: Eine Eigenblutabgabe spätestens vier Wochen vorher ist nicht schlecht. Der Oberschenkelknochen, in den die Endoprothese gebohrt wird, ist doch sehr gut durchblutet, so dass man von seinen vier bis fünf Litern Blut bis zu zwei (!) Litern verlieren kann. Muss nicht sein, kann aber.

Das führt mich zum Thema Angst vor der OP. Diese scheint sehr weit verbreitet zu sein, obwohl Hüft-OP`s inzwischen in deutschen Krankenhäusern fast zum Standard gehören. Der am häufigsten gehörte Satz in meiner ersten Reha war „Hätte ich mich nur schon vorher operieren lassen. Dann wäre ich fitter gewesen und hätte mir viel Schmerzen, Energie und Zeit gespart.“ Denn eines muss ich ganz klar sagen: Durch den Alltag zu humpeln ist vergeudete Lebenszeit. Wenn man sich jeden Gang extra überlegen muss, sollte es schon click machen im Hirn. Die meisten gehen erst ins Krankenhaus, wenn sie sogar im Liegen Schmerzen haben oder wenn sie nach Einnahme von Diclofenac (Voltaren & Co.) nur noch Durchfall bekommen. Dies ist das „Endstadium“ – und so weit sollte man es nicht kommen lassen.

Ich wurde im Krankenhaus und in der Reha immer um meine Fitness beneidet. Also hier ein ganz klares Plädoyer für eine Hüft-OP im noch einigermaßen beweglichen Stadium. Man schädigt sich auch auf die Dauer selbst: den Magen mit den Tabletten, das gesamte Gestell (Rücken, Knie) durch den krummen Gang, unter Umständen die Figur durch den ständigen Bewegungsmangel. Der Gewinn an Lebensqualität dank einer künstlichen Hüfte ist exorbitant! Ich weiß wirklich, wovon ich spreche. Schon nach der ersten Hüfte konnte ich endlich wieder schwimmen. Herrlich! Das

Heidis Wassertraining mit Pool-Noodle

Sechs Wochen nach der OP macht das Schwimmen wieder richtig Spaß!

ging nämlich vor der OP nicht einmal mehr im warmen Thermalwasser. Das war für mich der Anstoß, „es“ nun endlich machen zu lassen.

Angst hatte ich eigentlich nie. Ich habe mich in die Hände eines erfahrenen Operateurs begeben. Wie man den findet? Also A wie Arztwahl: Recherche. Hier funktioniert das System der selektiven Wahrnehmung sehr gut. Sobald man in seinem Umfeld kundtut, dass man es mit den Hüften hat, bzw. sobald das sichtbar wird, ist man plötzlich nur noch von Betroffenen umgeben. Wie ein Wasserfall ergießen sich dann die guten Ratschläge. Jeder kennt jemanden, der bei Dr. XY war oder in der Klinik Sowieso. Prima. Alles sammeln, aufnehmen, selbst ein Bild machen. Und dann „ja“ sagen und vertrauen. Mehr geht nicht.

Ich habe vor meiner ersten Hüft-OP noch eine dreiwöchige Ambulante Reha gemacht. Das hat mir meine Physio- und Manualtherapeutin Birgit Ferber-Busse in Erding (www.ferber-busse.de) geraten. Mein Orthopäde in Erding hat das befürwortet, die Deutsche Rentenkasse hat es genehmigt. Das geschah noch vor dem Hintergrund, dass man die OP evtl. hinauszögert. Letztendlich aber war die Trainingstherapie an den Geräten inklusive Physio-Anwendungen, Hüft-Gruppen und Bewegungsbad eine optimale Vorbereitung auf die OP. Ich bin einfach gut trainiert ins Krankenhaus gegangen.

Die Vorbereitung auf die zweite Hüft-OP war eigentlich die Kräftigung der operierten Seite. Denn natürlich muss die stabil sein, bevor man wieder auf Krücken durch die Gegend hatscht. Zur Unterstützung habe ich einen Personal Trainer gefunden, der intensiv mit mir an meiner Tiefenatmung gearbeitet hat. Ich wusste bis dato nicht, dass Beckenbodentraining nicht nur für Schwangere gut ist. „Mit der Nase einatmen, den Bauch blähen, mit dem Mund tief ausatmen bis weit in den Unterbauch hinein.“ Diese Sätze habe ich nun immer im Ohr, wenn ich Übungen mache. Denn wie sicher viele Menschen habe ich den Atem immer angehalten bei Anstrengung. Nun versuche ich, das zu ändern. Es gelingt nicht immer, aber immer öfter. Atemtechnik zu trainieren halte ich wirklich für sinnvoll – egal ob mittels Gesangsstunden, Yoga-Übungen oder „klassisch“.

Noch was Aktuelles zur Angst. Der erst kürzlich an Krebs verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs berichtet in seiner Autobiographie, dass er nicht aufgeschnitten werden wollte. Als er diese Angst überwunden hatte, war es zu spät. Eine meiner Mitpatientinnen erzählte mir, sie hätte Angst vor dem Fremdmaterial gehabt. Das sind legitime Gefühle. Ich kann das nur mit der Angst vor dem Zahnarzt vergleichen: Natürlich bohrt der Hüft-Operateur, sogar ziemlich tief, natürlich schneidet er die Haut auf, natürlich kommt das Material Titan in den Körper, das es dort sonst nicht gibt. ABER: Hinterher ist alles gar nicht so schlimm, sondern viel, viel besser! Und nichts tut mehr weh.

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Erste Anzeichen und A wie Alexandertherapie

Am 18. Oktober 2011 ist meine zweite Hüfte, diesmal die linke, operiert worden. Heute, fünf Tage später, kann ich schon wieder auf meinem Keilkissen sitzen und mit Blick in den Klinik-Park am PC schreiben.

Ich habe inzwischen ein ABC zusammengestellt – mit Begriffen von A bis Z, die für Menschen mit möglicher Hüft-OP wichtig sind. Das Keilkissen kommt dann also bei K vor. Generell werde ich aber meinen Blog in vier Kapitel unterteilen:

1. Anzeichen/Erkennen

2. Behandlungen/Einsicht/Hinauszögern

3. Operation

4. Postoperation/Reha/Zukunft

Praktischerweise beginnt das Wort „Anzeichen“ auch gleich mit A. Also: Wie schauen sie aus, die ersten Anzeichen für eine abgenützte Hüfte, eine Coxarthrose? Bei den meisten wird es wie bei mir ein schleichender Prozess sein. Vor einigen Jahren schon brach ich plötzlich beim Gehen ein. Das heißt, ich ging nichtsahnend am Arm meines Mannes spazieren und stieß plötzlich einen Schmerzensschrei aus, der meinen Mann zusammenzucken ließ. „Was ist denn los? Bist Du gestolpert? Hast Du Dir was gezerrt?“ „Nein, keine Ahnung. Da war plötzlich so ein stechender Schmerz in der Leiste.“ Die Folge einer solchen Episode war, dass ich mich in Behandlungen begab. Behandlungen diverser Natur, die ich hier nicht unbedingt in erfolgter Reihenfolge, aber dem ABC folgend schildern möchte.

Vorher aber noch weitere Anzeichen, von denen mir auch andere Betroffene immer wieder berichten. Da ist der so genannte Anlaufschmerz. Man sitzt nichtsahnend mit Freunden beim Essen am Tisch, steht auf, um was zu holen oder aufs Clo zu gehen und knickt erst einmal ein vor Schmerzen. Ups. Ganz langsam. Nach einigen Schritten geht`s wieder. Ach, war ja nicht so schlimm, denkt man. Wenn sich das häuft, werden auch die Freunde aufmerksam, die sonst eigentlich erst etwas merken, wenn man durchgehend humpelt. Vorher tippen alle auf Wirbelsäulenbeschwerden, die Bandscheibe, vielleicht das Knie? Wir haben ja alle so unsere Zipperlein, vor allem, wenn wir den 50. Geburtstag bereits gefeiert haben.

Die Folge: weitere Behandlungen. Das muss doch wegzubekommen sein! Man lebt doch eigentlich gesund. Also A wie Alexandertherapie oder Alexandertechnik (Infos: www.alexander-arbeit.com). Kaum jemand kennt diese Therapie, die auf den Erkenntnissen des australischen Schauspielers F. M. Alexander (1869-1955) beruht. Er hat auf der Bühne zunehmend Schwierigkeiten beim Sprechen bekommen, wurde immer rasch heiser. Darauf beobachtete er seine Muskeln und entwickelte eine eigene Therapie. Im wesentlichen basiert das Ganze auf dem Bewusstmachen von einschränkenden Gewohnheitsmustern. Das Mantra lautet „Aufrichtung“ – nach dem Modell der Spirale. Sehr bewährt hat sich das bei Musikern, Geigern oder Pianisten etwa, die sehr leicht beim ständigen Üben und Spielen eine verkrampfte Haltung einnehmen.

Aufmerksam wurde ich darauf durch die Friseurin meines Mannes Michael. Monika Krämer hat einen Salon im Lehel (Tel. 089/29 39 08) und hätte diesen nach einem Bandscheibenvorfall fast aufgeben müssen, wäre da nicht die rettende Alexandertechnik gewesen. Dank der Übungen konnte sie ihre Bewegungsmuster am Kunden durchbrechen und kümmert sich nun wieder schmerzfrei um die Haare vieler zufriedener Stammkunden. Weil sie gar so begeistert war, hat sie inzwischen selbst eine Ausbildung zur Alexander-Therapeutin absolviert.

Meine Therapeutin hieß Barbara Wiebe und praktiziert unweit des Deutschen Museums in München (s. Link oben). Meine Sitzungen bestanden im Wesentlichen daraus, aufmerksam zu liegen, zu sitzen und aufzustehen. „Der Kopf führt.“, ist dabei ein beliebter Satz, wenn man vom Hocker aufsteht, um möglichst entspannt zu gehen. Ich empfand das alles als sehr wohltuend – allerdings geholfen hat es meinem Problem nicht. Das bestand zu der Zeit darin, dass ich immer ganz schnell Muskelschmerzen bekommen habe, schon nach kurzen Gehstrecken. Diagnostiziert war bis dahin noch nichts Konkretes. Alle Therapeuten und Ärzte stocherten im Nebel, vermuteten u. a. Beckenblockaden, nicht richtig arbeitende tiefer liegende Muskeln aufgrund dieser Blockade.

Geholfen hat mir die Alexandertechnik nach der Hüft-OP: Es ist wichtig, aufgerichtet wieder gehen zu lernen und nicht in alte Bewegungsmuster zu verfallen, die man sich aufgrund der verkürzten Muskeln angewöhnt hat. Aber dazu später. Ich darf ja noch nicht so lange sitzen. Ich muss also das A wie Atemtechnik auf einen späteren Artikel verschieben. Ein Foto gibt`s auch später. Hoffentlich haben Sie diesen Blog in entspannter Haltung gelesen?

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Mit 53 die erste TEP, mit 54 die zweite

Ich starte diesen Blog kurz vor meiner zweiten Hüft-OP. Kenner wissen, was mit TEP gemeint ist: Total-Endoprothese. Könnte auch für Titan-Endoprothese stehen, finde ich. Endo jedenfalls ist griechisch und heißt „innen“. Also eine Prothese, die man nicht sieht, die man allerdings hört. Wie bitte? Na ja, es piepst halt, wenn man durch den Metalldetektor am Flughafen geht. Bei meinen bislang zwei postoperativen Flügen musste ich meinen Endoprothesen-Pass nicht vorzeigen. Ja, den bekommt man tatsächlich nach der OP ausgehändigt. Man sollte ihn wie einen Schwerbehinderten-Ausweis immer bei sich tragen. Eigentlich deprimierend, dass ich ihn der Dame am Flughafen nicht zeigen musste: Man glaubte mir am Flughafen ohne weiteres, dass ich eine künstliche Hüfte

habe. Und das, obwohl es sonst Krücken alias Gehhilfen im Parkimmer ganz erstaunt heißt: Was? Du? Du bist doch noch viel zu jung. Und so sportlich!

Zur Erklärung: Jung heißt hier 53 Jahre alt bzw. inzwischen 54 Jahre. Man senkt in diesem Alter den Altersdurchschnitt in der Reha ganz erheblich. Wie sagte doch mein 75 Jahre alter Operateur so charmant, als ich ihm wiederholt nach der OP bestätigte, dass ich überhaupt keine Schmerzen habe: Man sollte immer so junge, sportliche Frauen operieren. Danke für das Kompliment. Aber lieber wäre mir natürlich keine OP gewesen. Der Weg dorthin war auch lang – immerhin mit Happy End.

Da ich dermaßen oft meine Titanhüften-Geschichte erzählt habe und so vielen Menschen Tipps gegeben habe, möchte ich dies hiermit nun öffentlich tun. Dieser Blog ist auch die Vorstufe zu einem Buch. Arbeitstitel „Hüft-OP für Anfänger“. Natürlich soll man mit der Gesundheit bzw. mit Gebrechen nicht scherzen, aber wer will schon bierernst über dieses Thema reden. Ein wunderbar selbstironischer Artikel zum Thema ist Ende Juli 2011 in der SZ erschienen, und zwar aus der Feder meines Journalisten-Kollegen Michael Winter mit dem schlichten Titel „Titan“. Ich würde gern auf diesen Artikel verlinken, aber leider schafft es die SZ nicht, solche Sahnestückchen online zu stellen. Sorry, Michael.

Ich werde also in diesem Blog regelmäßig von meinen Hüften berichten, und zwar in der Hoffnung, damit Menschen zu helfen, die:

–  nicht wissen, warum sie eigentlich dauernd undefinierbare Schmerzen haben (Stadium vorher = Suche)

– nicht ahnen, wie man hier Abhilfe schaffen bzw. die OP hinauszögern kann (Stadium vorher = Behandlungen, Training)

– Angst haben vor der OP (Stadium Krankenhaus)

– nicht wissen, wie man die Muskeln am besten wieder aufbaut (Stadium Reha, Training)

Am 17. Oktober 2011 gehe ich wieder ins Krankenhaus in München, um mir wie gesagt die zweite Hüfte vom selben Operateur machen zu lassen. Keine Sorge, nach den ersten Tagen kann ich – gemäß meiner Erfahrung nach OP Nr. 1 – auch wieder am PC sitzen. Es wird dann ganz aktuelle Titanhüften-Bulletins geben.

Wer nun wissen will, wer hier eigentlich schreibt, dem kann ich nun doch noch einen Link anbieten, und zwar zu meiner eigenen Homepage www.heidi-rauch.de. Da sieht man u. a., dass ich seit 23 Jahren Golf spiele. Diesen schönen Sport werde ich mit zwei künstlichen Hüften 2012 auch sicher wieder ausüben, das haben mir viel ältere Golfer bestätigt, die schon seit Jahrzehnten mit einer TEP leben. Frei nach dem Motto: titanverstärkt schwingt man besser!

Bildunterschrift: Heidis Krücken schauen in die Landschaft
 
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